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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-10-01 · Heft 10 (1.10.1905) · p. Seite 221

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 10 (1.10.1905)
Date
1905-10-01
Page
Seite 221 (sequence 7)
Language
German
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221 Die in anmutiger, bunter Rejihe zu einem kunstvollem Ganzen aneinandergesügten Charakterbilder Kayserlings schildert« wollen, hieße sie Blatt für Blatt kopieren. * j * i * Ein bleibendes Verdienst erwiirb sich der geniale Mann endlich, aber nicht zuletzt durch seine Redaktion der „Bibliothek jüdischer Kanzelredner" (Berlin 1870). Da ruht nichl nur ein Schatz voll Anregung für den Fachmann, sondern eine wahre Fundgrube kültur- und zeitgeschichtlichen Materials aufgespeichert. Angeregt durch die reichbelehrende Lektüre derselben, siswie ermutigt durch einige Worte der Ermunterung gelegentlich der Übersendung einer! Studie, bat ich seiner Zeit den Autor um die Angabe seisier selbständigen Werke als Homiletiker. Es war unmittelbar vor seiner Abreise nach Madrid, worauf er in seinem Antwortsschreiben hinwies und „die Veröffentlichung seiner Kanzelredeu für!die Zeit seiner Rückkunft aus Spanien" in ^Aussicht stellte. Ä3ir hofften vergeblich. Äs blieb ein frommer Wunsch. Soll er unerfüllt bleiben?! Der Meister auf geschichtlichem und religionswisienschaftlichem Gebiete, der die kostbürsten Perlen den verborgenen Gängen der Wissenschaft abgewann, gewiß, er muß auch der Rede Zauberkraft besessen haben, das schimmernde Gold des Gotteswortes glänzend darzustellen. Und so könneri diejenigen, die berufen sind, das teuere Geisteserbe des Gelehrten zu sichten, des Dankes aller Interessierten sicher sein, wenn sie den rednerisches Nachlaß desselben recht bald der Öffentlichkeit darzubieten, sich entschließen würden. Vieles wäre noch zu sagen von seinen dauernden Schöpfungen als pädagogischer Schriftsteller, als Lexikograph, als Apologet. Doch sind diese Leistungen, eine jede für sich, einer selbständigen Würdigung angemessen. Hier sei das eine noch hervorgehoben: Kayserling hat das gelebt, was er gelehrt. Auch darin erwies sich die Universalität seiner Persönlichkeit, daß er mit der Zeit gleichen Schritt hielt, nicht in die Gelkhrtenstube sich eingesponnen, sondern für die Erfordernisse seiner Mitmenschen ein warmfühlendes Gemüt sich bewahrte. Sein Geist weilte bei den Geschlechtern der Vergangenheit, sein edles Herz aber schlug für die Gegenwart. Er zeigte, daß die Tugerch nicht nur lehrbar, sondern vor Allem erfüllbar sei. Die Fälle aufopferungsvoller Teilnahme für Andere, die dem Einsender bekannt, sie sind der großen Öffentlichkeit ein Geheisnnis geblieben. Und das lag so in dem vornehmen Wesen des Mannes. Und doch!ist die Anzahl derer, die durch seinen mildtätigen Sinn die Förderung i^r^T Lebensziels erfahren haben, eine gar bedeutende. - Aus der gleichen Höhe stand sein rührend entgegenkommendes Wesen gegen jede Person, dte nur in ernster, wißbegieriger Absicht ihm nahte, ein Wesen, dem ebenso die salbungsvolle wie die stolze Unnahbarkeit ein unbekannter Begriff war. Wohl werden aus seinem nachgelassenen Wiffensschatze für die allgemeine Forschung bedeutsamere Dokumente, als das hier folgende ans Tageslicht gefördert werden. Doch mag es hier deshalb seine Stelle finden, weil es für die herablassende und dabei so bescheidene Art desselben kennzeichnend ist. Kayserling, mit Recht auch der Kalligraph unter den

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