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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-10-01 · Heft 10 (1.10.1905) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 10 (1.10.1905)
Date
1905-10-01
Page
Seite 219 (sequence 5)
Language
German
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stände gebracht hätte, er besäße vollen Anspruch auf einen Ehrenplatz im Pantheon jüdischer Geistesgrößen., Das Buch erwies sich bis heute von epochaler Bedeutung. In demselben zeigt sich so recht lebendig der positive Wert sammelnder Gelehrtenarbeit. Und dies Verdienst stellt ihn im Urleile der dankbaren Nachwelt auf eine Stufe mit seinem großen Vorläufer: Gr ätz. Hinsichtlich des praktischen Erfolges seiner Tätigkeit bei allen Gebildeten reicht dieses leuchtende Dioskurenpaar des Judentums einander würdig die Hand. > Bon Grätz geht die Kunde, er hab^ einmal gelegentlich eines Besuches beim Begründer der modernen jüdischen Geschichtsschreibung Isaak Markus Jost in Frankfurt a. M. die Absicht geäußert, eine Geschichte der Juden schreiben zu wollen. Jost, der damals schon einen glanzvollen Namen als Historiker besaß, soll hierauf in verletztem Tone erwidert haben: „Schon wieder eine «jüdische Geschichte", worauf Grätz mit olympischer Ruhe repliziert haben soll: Erst jetzt eine Geschichte der Juden". Bleibt nun auch trotzdem das Verdienst des Autors der „Geschichte des Judentums und seiner Sekten", sowie der ^jüdischen Annalen" ein ungeschmälertes, so haben doch die Tatsachen dem Breslauer jSeminarprofefsor Heinrich Grätz recht gegeben und ihm den Ehrentitel eines „Pfadfinders der jüdischen Geschichte" gesichert. Seit Grätz weiß man — um nur eines der markantesten Momente hervorzuheben — daß in den Chroniken der Kreuzzüge 10(j6, 1147, 1189 im Jahre des Heils noch ein be- 1— sonderes Blatt einzufügen ist, ein BlatÜ das bislang dort gefehlt, und zwar ein bitteres, tränenreiches: Die jüdische Martyriologie, und ferner, wes Geistes Kinder eigentlich diese sogenannten Kreuzritter waren mögen auch volkstümliche Geschichtswerke vom Schlage Martens, Mayer, Web!ers u. A. m., mit Ausnahmen Rytteks, der den Mut besitzt, das Kind beim rechten Namen zu nennen, über diese Tatsachen mit noch so beredtem Schweigen hinweggeben, oder besser hinwegeilen. — Und ebenso bildete auch Kay!serlings erwähntes Buch über den Anteil der Juden an «der Entdeckung Amerikas eine wissenschaftliche Tat. Wenn man vor» Historiker §agt, er sei ein rückwärtsgekehrter Prophet, Kayserling bot den Beweis hiefür. Auch ihn wies sein unverwandt auf die Geschichtsquellen gerichteter Blick, der ihm immer deutlicher das unbestreitbare Verdienst der spanischen Juden um die Kultur im Allgemeinen zeigte, auch ihn wies er, Columbus gleich, mit unabweisbarer Logik darauf hin, daß dort noch Land, reiches, unentdecktes Land jüdisch - historischen Materials vorhanden sein müsse. Sein Auge, «beharrlich nach dem Westen hiugewaudt, es führte ihn immer notwendiger zur Wahrheit seiner Überzeugung vom Anteil unserer Ahnen auf der ptzrenäischen Halbinsel an dier Erschließung der neuen Welt. Und er ruhte und rastete nicht, bis daß sich diese seine Hypothese als unumstößliches Axiom ihm erwies. Darauf verwendete er einen Teil seiner Lebenskraft, einen mehnvöchentlichen, entbehrungsreichen Aufenthalt in den Staatsarchiven der spanischen Haupstadt anno 1894.

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