Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1905)
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 218 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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218 |! Erinnerung gesprochen werden? Ein schönes Menschenleben schildern, heißt, wie er selbst einmal so sinnig sagt, *) eine Lobrede auf die Menschheit halten. Vielleicht gewährt die dem Einsender zuteil geworrene persönliche und briefliche Bekanntschaft des großen Verklärten den Anspruch, die, ach so schmerzliche Stille für einen Augenblick zu unterbrechen, gälte es gleich nur, den Aoll persönlicher Verehrung eines Fernerstehenden abzutragen. Das was den Heimgegangenen Forscher zunächst vor allem anderen seiner engeren Berufsgenossen auszeichnete, das war seine große Popularität so weit die deutsche Zunge reicht. Der Gelehrte, -er an der Grenze der Puszta seines Sitz aufgeschlagen, er besaß inmitten des Voltes der Denker pa? exceilence nicht minder Verehrung als in seinem engeren Wirkungskreise im.Magyarenlande. Ein Einblick in diese Volkstümlichkeit, deren der Entschlafene namentlich in Deutschland sich erfreuen durfte, war mir während meiner Studienzeit auf der Märburger Universität vergönnt. Gelegentlich eines Referates über Mendelssohn in einen dortigen literarisch-geselligen Zirkel fand ich, daß seine historischen und biographischen Meisterwerke ebenso die Universitätsbibliothek zierten, wie ihm andererseits die nicht abzustreitende Ehre zuteil wurde, in den philosophischen Lehrbüchern eines Falken b erg und Windel band als Quelle zitiert zu werden. Eine Ehre, mit der diese Herren nicht allzuverschwenderisch umgehen. Kayserlings ureigenes Gebiet bildete bekanntlich hie jüdisch-spanische Geschichtsperiode. Da befand er sich sozusagen auf heimischem Boden. Kein Winkel desselben blieb seinem historisch geschulten und geschärften Nick verborgen. Darum ist ein historisches Arbeiten auf demselben ohne Kayserling ein Ding der Unmöglichkeit. Bildet doch der ganze achte Band der Grätz'schen Geschichtss gewissermaßen einen einzigen steten Hinweis auf Kayserlings grundlegende Arbeiten: Geschichte der Juden in Spanien (1861) und Geschichte der Juden in Portugal (1864). Das was aber Kayserling von dem großen Geschichtsschreiber der Juden Gr ätz unterscheidet, das ist seine außerordentliche populäre Begabung. Auch dort, wo man den Gelehrtenapparat zwischen den Zeilen seiner Arbeiten hindurchblickt, fesseln sie den Leser wie ein spannender Roman. Kayserling entlehnte die glutvolle Begeisterung für sein Judentum dem flammenden Horeb; die äußere Form borgte er vom anmutigen Hellas. Dies kommt namentlich in seinem großzügigen Werke: Sephardim, romanische Poesie der Juden in Spanien* 3) zum Vorschein. er seinen jüdisch-spanischen Forschungen durch sein letztes Gebiete auf: „Christoph Columbus und der Anteil der Juden an den spanisthen und portugiesischen Entdeckungen" »). Wahrlich, wenn Kayserling für die Wissenschaft des Judentums nichts weiter als dieses Werk zu- Doch die Krone setzte bedeutendes Werk auf diesem l) Eingangs seines biog'hphischen Werkes Moses Mendelssohn. 3) Leipzig 1859 s) Berlin 1894