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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-09-01 · Heft 9 (1.9.1905) · p. Seite 207

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 9 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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— 207 Boden wollte man näher kennen lernen, der solch' überaus herrliche Früchte gezeitigt. Man untersuchte das Erdreich nn) fand den Leichnam des verschollenen Dichters. So weckten auch die duftigen Blüten und saftreichen Früchte der Dichtkunst, die an dem Baume des Judentums sprangen die Wißbegier der Denker, man suchte und forschte, man grub immer weiter,! immer tiefer und fand, daß Israel das totgeglaubte so viel Schönes und Herrliches geschaffen habe, daß Israel das verkannte der Träger und Vermittler der Kultur undiBildung gewesen zu einer Zeit, da Finsternis und Barbarei die (Geister gefangen hielten. Zn den edelsten Dichtern! und Denkern aber, die man in den farbenreichen Blumenbeeten der Poesie sowohl wie in den ehrwürdigen Tempeln des Glaubens und der Philosophie antrifft gehört Salomo den Iehnda Ibn Gebirol, der, als in Athen die Hallen der Philosophie geschlossen und deren Jünger nnd Meister verbannt wurden, dieselbe nach Europa verpflanzte und mijt' dem Lichte seines Geistes erhellte die Nacht, die hereingebrochen war, der eine starke Säule gewesen, auf welcher der festgefugte Bau des Gedankens sicher ruhte, trostend allen Stürmen, siegreich geläutert hervorgchcnd aus allen Kämpfen. Gebirol zu Malaga im Jahre K>7n geboren wohin sein Pater aus Cordova gekommen war, hatte frühzeitig seine Eltern verloren und stand ganz einiam und verlassen Nie hat unbefangene Heiterkeit des Kindes Züge umspült und kein Sonnenstrahl der Freude streifte des Jünglings ernstdnrchsnrchte Stirn. Er sagt von sich selbst: „Ich bin das Kind mit dem Herzen des Greises — mein Körper wandelt auf Erden — mein Geist schwebt ans Wolken." In seinem sechzehnten Ialste schon, wo gewöhnlich der Mensch noch nicht von dem Erpst des Daseins ergriffen zu sein pflegt, ruft er in einem seiner Gedichte aus: Zehe ich lachen weint mein Herz — Weil das Leben mir verkümmert ist — O soll ich ein sechzehnjähriger stets nur klagen — Ter sich seiner Jugend freuen sollte. — Indessen was nichts sich zu härmen — Zchweig und hoffe mein Herz — Für jede Wunde gibt es Balsam — Was srommts zu klagen über Drangsal — Was hilft die nimmer rastende Träne. — Gebirol war vielen Verfolgungen ansgesetzt und darum entringt sich oft die Klage feinem Inneren. „Was ist dir Seele daß stisl du bist — gleich einem König der gefangen ist — Bon schwerer Drangsal bin ich umschlossen— Bin ach bedroht von feindlichen Geschossen — — An mir übt sich die Zeit tot Treffen viel — Als wäre Schütze sie nnd ich ihr Ziel — Hoch trug mich das Leben auf seinen Flügeln — Sie riß mich in den Staub, um mich zu zügeln — Doch der Weisheit Krone fesselt meinen Blick — Nichts ist Reichtum nichts ist Glück — Nur vor Erkenntnis will ich mich beugen — daß zu mir sich ihre Früchte neigen — Prunkende Häuser, stolzer Bau, nur Trümmer — Mein Zorn entbrennt,

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