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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-09-01 · Heft 9 (1.9.1905) · p. Seite 201

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 9 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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m — 201 - gewinnt. Wie kann man von Israel noch sprechen, heißt es da, da sein Reich schon über 18 Jahrhunderte zerstört ist? und was seine Religion betrifft, ist sie nicht in seiner Tochterreligion weiter und vollkommener hervorgetreten? Und da wendet man so gern ein Bild an, um zu beweisen, wie die spätere Entwickelungsperiode eine höhere Stufe bezeichne, als die vorangegangene. Tie Frucht bedeute mehr als der Stamm! und die Blätter. Nach dieser Ausführung müßte ja der Islam, als die letzte große Religionsstistung die höchste Stufe darstellen! Um das Bild vom Baume festzuhalten, müssen wir nach der geschichtlichen Wahrheit also sagen: Die jüdische Religion bedeutet den Stamm mit den Wurzeln: an den Stamm haben sich Zweige angesetzt, ein früherer nach Westen reichend, ein späterer nach Osten gehend. „Von Jerusalem ergoß sich der Strom der Gotteserkenntnis nach Osten und Westen." Der Stamm strebt über den Zweigen zm' Krone auf, die erst in kleinen Ansätzen sich zeigt, aber in ihrer vollen Herrlichkeit noch nicht sichtbar ist — diese Krone heißt: die Versöhnung der ganzen Menschheit! Die Krone in der Zukunft der Tage weithin aller Welt sichtbar gipfelt in der allgemeinen Menschenliebe, die unabhängig ist von Consession und Nationalität, und unter den Zweigen sammeln sich im Orient und Oceident die verschiedenen Nationalitäten, jede in ihrer Sprache und mit ihren Sitten. Tie Zweige gerade, das Christentum wie der Islam, geben Kunde von der Gewalt des Stammes, der sie zu tragen vermag. Wir erkennen in den beiden Töchterreligionen ebenfalls große Heilsanstalten, die die Völker der Erde zu Gott führen sollen, ohne daß eine Religion die andere aufzulösen trachte. „Auch aus den Völkern nehme ich", so spricht Gott zu Israel, „Priester und Leviten, wiewohl ihr in Ewigkeit bestehen sollet; euer Stamm und euer Name soll ewiglich bestehen." Eine Versönung ist nur möglich auf Grund gegenseitiger Anerkennung; eine Vereinbarung wird nicht erziehlt durch Unterjochung und Vernichtung. Was die. Culturvölker bereits einigt, das ist das Sittengesetz — worin wir uns noch von dem größten Teil der Menschheit unterscheiden, das ist unsere Lehre von dem Einzig-Ewigen! Eine Einigung der Völker auch in diesem Punkte kann nur durch ihre eigene innere Entwicklung bewerkstelligt werden -- nicht das überredende Missionswesen, nicht Feuer tutb Schwert führen zum Ziele, sondern die eigene geistige Wandlung. „Einst wandte ich den Völkern ihre Sprache zu einer lautern um, daß sie alle den Namen des Ewigen anrufen und ihm einmütig dienen." Haben wir nach dieser Darlegung noch einen Berns unter den Völkern? Wir müssen das unbedingt bejahen. Zwar nicht als Apostelstürmer, sondern als „Zeugen Gottes, die durch ihr bloßes Dasein zum Bund der Völker dienen, -zum Lichte der Nationen, blinde Allgen zu öffnen, aus dem Kerker Gefangene zu führen, aus der Haft die im Finstern Wohnenden." Für uns ist Israel kein „wandelndes Geheimnis", wenn wir es in. diesem Verhältnisse zu den Völkern betrachten. Kaum ist es für uns 1 i

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