Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Rechte teilhaft zu werden,! als das geduldige Warten ans glücklichere Tage. Ist doch Israel das klassische Volk der Hoffnung und Geduld! Immerhin kann uns jetzt schon zum Tröste gereichen, daß in anderen Landern jüdische Generäle und Minister am Bersöhnungstage in der Mitttz der andächtigen jüdischen.Gemeinde ihre Plätze einnehmen. Doch nein! Es gibt noch einen sicheren Ausweg, der von gar vielen eingeschlagen wird. Eltern lassen ihre Kinder von vornherein an dem fremden Religionsunterrichte leitnehmen. Hören wir doch von sonst sehr verständigen Frauen: ich will meinen Kindern die freie Wahl lassen, ich will ihrem späteren Berufe nicht hinderlich sein? Und ich wünschte, daß sic von dem Banne erlöst würden, der noch auf uns lastete, daß sie ein besseres Geschick erführen,; als wir es des Glaubens wegen zu ertragen hatten. Auf die Frage, ob die Kinder? auch den israelitischen Religionsunterricht genöffen? lautet die Antwort: so viel Zeit könnten die mit anderen Gegenständen Überbürdeten nicht aufwenden! Und das netznt man den Kindern die freie Wahl ermöglichen! Unter solchen Umstanden kann e* allerdings keinen Kampf kosten, einen anderen Glauben zu bekennen, da!man eigentlich noch keinen hatte. Tie Kinder haben keinen jüdischen Geist eingeatmet,? .nicht die Seligkeiten des jüdischen Lebens vor sich gesehen, keinen Feiertag im Hause? wahrgenommen — sie kennen weder ihre erhabene Religion, noch ihre Heldengeschichte!— sie haben kein Selbstbewußtsein, sondern nur gelernt, sich den zwingenden Verhältnissen zu beugen. Die Verleugnung Israels kann den Kindern nicht schwer fallen, da sib von ihm keine andere Kenntnis haben, als was sie aus Karrikatnren, ans Witzwoirten im Fargon erfuhren, wo sollte da die Kraft Herkommen, Spötteleien, Zurücksetzungen und Demütigungen widerstehen zu können?! Als letzter Grund für den Übertritt wird angegeben, man müsse sich der Mehrzahl anschließen; man lehe in einem christlichen Staate und habe sich als christlicher Bürger zu erweisen: matz dürfe, nichts Besonderes sein wollen unter den Besten des Vaterlandes, sich also auch hinsichts der Religion von ihnen nicht unterscheiden. O, wie täuschend sind diese Vorwände! Mit- und Nachwelt zählt sie trotz alledem den Angestammten zy. Der Führer aus dem Friedhose zeigt dem Fremden das Grab eines bedeutenden Ptannes von jüdischer Abkunft: er unterläßt es nicht, zu bemerken: der große Mann-war ein getaufter Jude! Wer sich stets nach der Landesreligion richten wollte, müßte folgerecht in christlichen Ländern Christ, in mohamedanischen Mohamedaner, in buddhistischen Buddhist werden! Nicht minder hätten die Hunderte von Sekten ein Anrecht an ihn, da sic ja alle ausschließlich im Besitze der Wahrheit zu sein wähnen. Dieser Einwurf füllet uns zum zweiten Teile unserer Betrachtung, welcher die Frage in Erwägung zu ziehen hat: 11/ Hat Israel noch einen Beruf unter den Völkern? Schon diese Frage . ist es, die vielen ein Spötteln, ein mitleidiges Lächeln ab-