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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-09-01 · Heft 9 (1.9.1905) · p. Seite 197

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 9 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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197 I. Die Schiffsleute richteteten an Jona mehrere Fragen: was ist Tein Beruf? woher kommst Du? welches ist Deine Heimat? von welchem Volke bist Du? Jona antwortete Nur auf die letzte Frage: „Jbri anochi". „Ein Jbri bin ich und den Ewigen, den Gott des Himmels furcht' ich, der das Meer und das Trockene gemacht hat." In diesen Worten glaubte er auch die früheren Fragen beantwortet zu haben. Jbri oder Ebräer bedeutet so viel wie Überschreitender, ein vom jenseitigen Ufer Kommender. Der Name weist auf den Ursitz des Menschengeschlechts, auf die Urheimat Abrahams, -welcher Vater vieler Völker genannt wird, auf jenen Stanlmsitz der Urmenschen, die noch keine Nationalität in unserem Sinne kannten. War man damit heimatlos? Nicht doch. Heimatlos nur in dem Sinne, daß der Mensch auf Erden überhaupt nur ein Fremdling ist vor Gott, allein in dem Sinne, daß alle Menschen vor Gott gleich sind, daß sie alle seine Kinder sind, daß sie alle einen gleichen Ursprung haben, von einem und demselben Menschenpaar abstammen — in diesem Sinne konnte nicht ein abgegrenztes Stück Land die Menschen von einander trennen, sondern mußte sie immerdar als zu einer und derselben Familie gehörig erscheinen lassen, wiewohl sie sich mit der Zeit nach Rasse, nach Sprache, nach Eigentümlichkeiten gesondert hatten. Der Hinweis auf die Urheimat aller Menschen und den Schöpfer der Welt läßt Jona den heidnischen Schiffsleuten näher treten. Die Ebräer kannten noch keine religiösen Gesetze, die zwischen ihnen und den übrigen Völkern eine Scheidewand aufrichteten. Jona nennt sich einen Ebräer, aber nicht einen Bekenner des Mosaismus, oder Angehörigen des Hauses Israel oder Juda. Erst als die beiden Reiche Israel und Juda aufgelöst wurden, erlangte der Name Israel eine ideale, der Name Juda eine stammesgeschichtliche Bedeutung. Was besagt der Name Israel? Den Gotteskampf mit den Mächten der Nacht, die Herrschaft des Geistes über die Sinnenwelt, die geistige Freiheit über die Naturnotwendigkeit, die Sittlichkeit über die Begierde und Leidenschaft, die Liebe über die Selbstsucht. Wohlverstanden! Das Jsraelitentum achtet das Besondere aber nur insofern, als es der Allgemeinheit sich einordnet; es achtet die Nationalität, aber nur insofern, als sie in der Kette der Bölkerfamilie ein Glied darstellen will. Das Jsraelitentum ist nicht international, sondern allgemein menschlich: es sieht in den einzelnen Völkern Kinder ihres Landes, aber in allen doch auch Kinder des Einen Gottes. Gleichwohl — wie hoch wir den Namen Israel für uns stellen, — wir wenden dennoch den Namen Juden häufiger an. Woher das? Nach unserer Abstammung vom Reiche Juda nennen wir uns Juden, nach unserem Berufe nennen wir uns Israeliten. Im Laufe der Zeiten, ob unserer Abstammung den grausigsten Verfolgungen ausgesetzt, verschmähten wir es, uns nur mit dem Ehrennamen Israel zu schmücken; wir hatten

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