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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-09-01 · Heft 9 (1.9.1905) · p. Seite 196

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 9 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Volk übermannt, die Widerspenstigen hart anredet; da ist es Elia, der unmutig ausruft: „Geeifert habe ich für den. Herrn, den Gott Zebaoth, denn die Kinder Israel haben Deinen Bund verlassen. Es ist genug! nimm meine Seele, o Herr, denn ich bin nicht besser als meine Väter." Da ist es Jona, der sogar, aus der Menschen Mitte flüchtet und endlich entsagungsvoll bittet: „Und nun, Ewiger, nimm doch meine Seele, denn besser ist's, ich sterye, als -aß ich lebe." An Mose erging die göttliche Weisung: „Dieweil ihr nicht die vertrauende Ruhe gezeigt habt, um nsich vor den Augen der Kinder Israel zu heiligen, sollt ihr die Versammlung nicht in das verheißene Land bringen." An Elia erging der Befehl: „Geh hin und s^albe Elpa, den (Lohn Saphat's zum Propheten an deiner Stelle." Jona aber ward in seiüer Sendung belassen. Wir verstehen dies wohl. Mose und Elia hatten jene Haltung verloren, die allein befähigt, ein Volk zu erziehen und zu leiten, sie hatten schließlich nur Vorwürfe dem Volke gegenüber, — Jona hingegen will sich seiner Aufgabe nicht deshalb entziehen, weit er den Sündern zürnt, sondern weil er der Huld Gottes eingehenk ist, pie auch dem Sünder Gnade erweist „Ich wußte es", sagt er, „daß Du ein gnädiger Und barmherzigrr Gott bist, langmütig und reich aN Huld." Aber es ist noch ein anderes Moment, das uns hier ganz besonders fesselt: Jona ward nicht an das Polk Israel abgesandt, sondern nach Ninive, an das Volk der Assyrer! Ist das nicht auffallend? Ein israelitischer Prophet an ein heidnisches Volk! Und grade für den Verfföhnungssag ist die Vorlesung des Buches Jona bestimmt worden! Sollten, wir hier nicht den Schlüssel finden für die liefere Erkenntnis des Versöhnungstages? In der ^at. Bei - einem Volke, dem nur jür eine bestimmte Zeit eine geschloffene Nationalität zugedia'cht war, das von Hause aus zu der gesammten Menschheit in Beziehung gefegt wurde pbei einem solchen Volke mußte auch der Versöhnungstag die Grenzen des Nationalen überschreiten. „Versöhnung werde der ganzen Gemeinde der Kinder Israels und auch dem Fremdling, der in ihrer Mitte weilt." Schon während des Tempelbestandes wurden siebenzig Farrep dargebracht, um für die Völker der Erde die Sühne ihrer Sünden zu bewirken. An Israel erging der Ruf: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und mein Knecht, den ich erkoren. Nicht müde werde, nicht entkräftet, bis auf! Erden das Recht gegründet und der Lehre die Länder harren. So spricht der Allmächtige, der Ewige, der das All' geschaffen und Geist gibt den Wesen: Ich, der Ewige, habe dich berufen im Heile, ich mache dich zuck Bund der Völker, zum Lichte der Nationen, blinde Augen zu öffnen, ans dem Kerker Gefangene zu führen, aus der Haft die im Finstern Wohnenden." Israel in seinem Verhältnisse zu den Völkern, so lautet das Thema, das uns der Versöhnungstag stellt. j- . Lasset uns dieses ztr cheleuchten suchen, und Gott, der Herr, sei uns gegenwärtig mit seinem Geiste und seinem Beistände!

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