Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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189 anderen auch ein Bild von Satomon I. Solomon, „Porträt des Israel Zangwill", mit der großen Staatsmcdaille ausgezeichnet, während das Bild des Jsak Perlmutter, „Straßenszene in Holland", die kleine goldene Staatsmedaitte erhielt. — In Paris starb am 26. Mai Herr Baron Alphons von Rothschild und in Wien am 13. Juni Herr Baron Nathanael von Rothschild. Ersterer, ein bekannter Kunstkenner und Kunstsammler, war der langjährige verdiente Präsident des jüdischen Zentralkonsistoriums von Frankreich. — In seinem 79. Lebensjahre ist in Paris am 24. Mai der Komponist Emile Jonas gestorben, der seiner Kunst in gleicher Weise auf ernstem, religiösem, wie heiterem Gebiete gedient hat. Bon seinen veröffentlichten Gesängen sind zu erwähnen: vIlecueil de chants hebraiquesu. Seine eigentliche Stärke zeigte Jonas aber auf dem Gebiete der Operettenkomposition. Von der großen Anzahl der Jonas'schen Operetten sind seine „Gavotte", „Goldchignon" und „Die Ente mit den drei Schnäbeln" über die Grenzen Frankreichs hinaus und auch bei uns bekannt geworden. Jonas' Musik zeigt gefällige, melodische Weisen, ohne durch besondere Tiefe der Gedanken oder des Ausdrucks zu glänzen. Viele Jahre ist der Verstorbene Professor der Harmonielehre am Pariser Konservatorium gewesen. — Präsident Loubet hat kürzlich auf die Begrüßung des Großrabbiners von Bordeaux erwidert: Solange ich noch einen Lebensodem in mir habe, werde ich nicht aufhören zu predigen die Toleranz und die Achtung aller politischen und religiösen Ansichten, sowie den Frieden zwischen allen Staatsbürgern. Das ist das einzige Mittel, daß unser Vaterland den Platz in der Welt behaupte, den es hellte einnimmt. Dieser Erfolg, ich bin des gewiß, wird erreicht durch den guten Willen aller." — Eine wundervolle Ausstellung seltener Bücher hat, wie aus London berichtet wird, Sir Robert Douglas in der „Kings Library" des Britischen Museums eingerichtet, die für das Publikum geöffnet wird. Bände in Gold, Silber und Elfenbein prangen in den Kästen; einige der ältesten und seltensten Bibelmanuskripte sind ausgestellt. Unter den vielen reich dekorierten Werken ist eine sehr schöne hebräische Bibel von 1483 mit einer Leiste und dem Kommentar am Rande mit aufgehöhten Goldbuchstaben. An Luxusausgaben sind die buddhistischen Bücher bei weitem die schönsten in der Sammlung. Ein Exemplar von Buddhas erster Predigt, das aus Ceylon stammt, ist auf silberne Palmblätter geschrieben. Dicht daneben findet sich eine heilige buddhistische Schrift, die auf 236 Palmblätter geschrieben ist und eingeschlossen ruht in einer reich geschnitzten Elfenbeinkapsel, auf der heilige Szenen dargestellt sind. Ein auf goldenen Palmblättern geschriebenes Werk aus dem vierten oder fünften Jahrhundert findet sich hier, aus Tibet sind kostbar illustrierte buddhistische Schriften und eine Anzahl berühmter Gebetsräder da. Das älteste Manuskript der Bibel, das aus der Mitte des neunten Jahrhunderts stammt, liegt neben den kostbaren Blättern des verlorenen hebräischen Buches Eeclesiasticus, die im „Genizah", dem alten Bücherlager der Synagoge zu Kairo gefunden wurden. Hier ist auch das älteste samaritanische Manuskript, eine Liturgie aus dem Jahre 1238, und ein Koran aus dem achten Jahr-