Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 188 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Schmiedel und sein Neffe Rabbiner Dr. Oppenheim aus Olmütz Worte ehrenden Gedenkens. — In Florenz starb Hofrat und Herrenhausmitglied, der bekannte Romanist der Wiener Universität, Adolf Missavia, geb. in Spalato als Sohn eines Rabbiners. Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaften von Wien, Berlin, Paris und Ronl. — Aus Wien wird berichtet: Abg. Dr. Klumpar wird mit Rücksicht auf den Umstand, daß die letztwillige Verfügung des verstobenen Präsidenten der böhmischen Ländesjudenschaft Dr. Moritz Lichtenstern, seine Leiche zu verbrennen, an der Weigerung des Prager Oberrabbinates, die Beisetzung der Asche zuzulassen, scheiterte, eine Interpellation an die Regierung richten, ob dieselbe geneigt sei, in Zukunft auf die Erblaßbehörden dahin zu wirken, daß dieselben dem Druck der KultuErtreter, in diesem Falle des Oberrabbinates und der Beerdigungsbrüderschaft nicht nachgeten, welche die Durchführung des letzten Willens des Verstorbenen nicht zulassen wollten. — Zum ordentlichen Professor der semitischen Sprache und Litteratur an der Universität in Budapest mit den systemierten Bezügen wurde Herr Dr. Ignaz Goldiseher ernannt. — Zum zweiten Vizebürgermeister der österreichischen Kaiserresidenz hat man sich im nickisemitischen Wiener Gemeinderat einen Nachkommen Reb Jontefs auserkoren: Herrn Dr. Porz er. Zur Genealogie dieses zweiten Herrn Vizebürgermeisters werden nämlich folgende Daten von Interesse sein, die vor längerer Zeit von dem Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, dem Dichter Dr. Ludwig August Frankl, festgestellt wurden. Der Stammvater der Familie des Herrn Dr. Porzer war ein jüdischer Hausierer in Mähren, der von Dorf zu Dorf seine Ware feilbot. Dessen Sohn, der sich einige kaufmännische Bildung erworben hatte, zog nach Brünn und nahm, als Kaiser Josef II. anordnete, daß die Juden Familiennamen sich beilegen müssen, den Namen Neustein an. Früher hieß er kurzweg „Reb Jontef!" Sein Sohn Heinrich Ncustein siedelte anfangs der dreißiger Jahre nach Wien über, wo er ein Geschäft mit rohen Kuh- und Ochsenhäuten etablierte. Mit einem Mädchen namens „Kohn" verheiratet, wurde Heinrich Neustein, der Sohn des „Reb Jontef", Vater mehrerer Kinder, deren ältestes ein Mädchen namens Betty war, und diese ist die Mutter des Herrn Dr. Porzer. Schon 23 Jahre alt, nahm sie die Taufe, um den Wiener Kaffeesieder Porzer in einer schmalen Seitengasse des Grabens in der inneren Stadt Wien zu heiraten. Diese getaufte Jüdin hat sich mn die Erziehung ihres Sohnes nicht blos große Mühe gegeben, sie hat auch die größten Opfer gebracht, um ihn zu seiner jetzigen Stelle zu erheben. Herr Dr. Porzer besitzt „ in Wiener jüdischen Familien mehrere Verwandte, von welchen einzelne in der Verwaltung der Wiener Kultusgemeinde, z. B. der oben genannte jüdische Dichter Ludwig August Frankl, sich hervorragende Verdienste erworben haben. „Reb Jontef", der Urgroßvater des Herrn Dr. Porzer, hat sich wohl kaum träumen lassen, daß einer seiner Nachkommen als Antisemitenhäuptling einen Wiener Bürgermeisterstuhl besteigen wird. — Aus Budapest wird berichtet: Auf Vorschlag der Jury der Winterausstelluug der Künstlergenossenschaft hat der ungarische Minister für Kultus und Unterricht unter T