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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-08-01 · Heft 8 (1.8.1905) · p. Seite 186

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 8 (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 186 (sequence 18)
Language
German
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186 ihnen wehe zu tun, ja selbst sie zu verfolgen, als täten sie Gott einen Dienst damit. Wie viel Schmach sei doch auf die christliche Kirche von ihren eigenen Bekennern durch solches Verhalten gewälzt worden! Man möge sich nur erinnern an jene Unmenschlichkeiten, welcher sich einst nach der Eroberung Mexikos die glaubensstolzen Spanier schuldig 'gemacht haben, natürlich zur Ehre Gottes und zum Besten seines Reiches oder an die Frevel, welche in den Zeiten des Mittelalters auch auf deutschem Boden an den Inden verübt wurden. Noch in den letzten Jahren mußten wir erröten über die Judenhetzen an der untern Donau und es scheine, daß ähnliche ärgerliche Auftritte auch im deutschen Volke, auch in unserer Stadt im Anzüge seien. Gewisse Blätter werden nicht müde, in der gehässigsten und kränkendsten Weise unsere Mitbürger der öffentlichen Verachtung preiszugeben und durch Nährung der Abgunst und des Hasses darauf hinzuwirken, daß denselben die bürgerliche Gleichheit wieder entrissen werde. Die bübische Zerstörung, welche in den letzten Tagen in der Nähe der Synagoge verübt wurde, zeige hinlänglich, welche Früchte durch solche Agitationen gezeitigt werden. Ob etwa jemand glauben könne, daß ein derartiges Treiben sich mit dem Geist und Wort und Vorbild Jesus Christus vereinbaren lasse? So lange solche Dinge unter uns geschehen, sei unser Ruhm nicht fein. Es gelte sich mit Ernst dagegen zu erheben." Der berühmte Naturforscher Schleiden schrieb: „Die Juden sind und bleiben das merkwürdigste Volk, und wenn man sich auf die Symbolik einer Vorsehung einlassen will, darf man sie wohl das aus erwählte Volk Gottes nennen. Schon daß sie sich fast zweitausend Jahre lang trotz der schweren und blutigsten Verfolgungen, die sie von Heiden, Persern, Mohamedanern und Christen zu erdulden hatten, als ein Volk und bis zum heutigen Tage ihrem ursprünglichen Charakter treu, nicht nur erhalten haben, sondern sich auch fort und fort ausbreiten und im giinstigeren Verhältnis als irgend ein anderes Volk vermehren und zwar unter jedem Klima, läßt sie als eine der interessantesten Aufgaben für eine ernste und sinnige Betrachtung der Geschichte erscheinen. Sie sind das älteste Volk, das als Txäger des reinsten Monotheismus dasteht und eben wegen der Reinheit des Gottesglaubens das Sittengesetz und seine Betätigung im Leben als eigentliche wahre Darlegung des religiösen Glaubens hingestellt und festgehalten hat. Ganz Europa hat sein Mittelalter gehabt, eine Zeit der Roheit, des geistigen und sittlichen Verfalls, wie er trauriger nicht gedacht werden kann, nur die Juden machen davon eine Ausnahme. Trotz Zerstörung und Bedrückung, die ihnen oft die einfachsten Menschenrechte, ja selbst die Berechtigung zum Leben raubt, haben sie sich ununterbrochen in ihrem geistigen Leben fortentwickelt und den übrigen Völkern die Grundlagen der Sittlichkeit und des geistigen Lebens bewahrt und überliefert. Wie geistig edel angelegte Staturen strauchelten sie zuweilen, wenn glückliche Augenblicke ihnen das Leben zu leicht machten, aber jede Widerwärtigkeit, jedes Elend, das ihnen nur eine halbwegs menschliche Existenz ließ, hat nur den Erfolg gehabt, sie zu veredeln, sie zu höherer geistiger und sittlicher Anstrengung zu beleben."

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