Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 185 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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hat die sonderbarsten Bacher, ein Volk, dessen Religion und Geschichte ganz von Gott abhängt und dahin weift, hat auch Bücher der Art des Geistes; jene Dinge sind aus diesen, diese aus jenen entstanden und alles ist im Grunde nur eins. Ein Gepräge, ein Charakter, eine Beurkundung der Zeiten: ihr Name ist das Volk Adonais, wie dort der Name von Ezechiels Stadt und Tempel Adonai Schomoh." < Zur Philosophie u. Geschichte a. Th.) In ähnlicher Weise drückt sich Schlözer aus: „Die Juden sind ein Hauptvolk der Welt, nicht blos der christlichen Weltgeschichte, als das Volk Gottes, sondern ein mächtiges Volk, das im Zeitpunkte seiner Größe aus mehr ach fünf Millionen Seelen bestand; ein kultiviertes Volt, der Depositor aller Kenntnisse, die wir auch aus der ältesten Welt, lange vor den jungen Griechen, übrig haben; das einzige Volk, dessen Gesetzgebung und Sitten noch nach Jahrtausenden kenntlich sind und, im Wesen unverändert, seinen Staat überlebt haben." In gleichem Sinne äußerte sich Corove: Noch ist die jüdische Religion durch ihr Alter, ihre ursprüngliche Erhabenheit und ihre welthistorische Wirksamkeit diejenige, welcher^ unbedenklich die erste Rolle gebührt. Ihr Pentateuch ist gleichsam der Urpatriarch der monotheistischen Glaubensgenossenschaften, denen von der Providenz die großartigste Bestimmung zugeteilt worden. Ihr Gedächtnis reicht hinauf bis in die Wiege des Menschengeschlechtes, ihre Urkunden sind bis jetzt noch die erweislich ältesten, ihre Überlieferungen liegen den zwei Rrligionen zu Grunde, die sich am weitesten über den ganzen Erdball verbreitet, die am meisten zur Humanisierung der alten und neuen Welt beigetragen haben. Mögen auch die Juden späterhin, wie die unglücklichen Chamiten in die Dienstbarkeit der andern Abkömmlinge des Erzvaters Noah, so in die Abhängigkeit von den Christen und Jslamiten geraten sein, doch haben sie — einzig in der Geschichte — bis auf den heutigen Tag ihre Eigentümlichkeit, ihre Religion sich erhalten, und hierdurch die wunderbare Lebenskraft derselben bewährt. So ist das Judentum unstreitig die atrehrwürdigste Erscheinung in der Geschichte der Menschheit (Ersch u. Gruber Encykl. 27). Die „Breslauer Zeitung" brachte unterm 15. Oktober 1879 folgenden Artikel: „In der hiesigen Haupt- und Pfarrkirche zu St. Elisabeth hielt Herr Kircheninspektor Prim. Dr. Späth die letzte Sonntags-Amtpredigt über das Evangelium Matthäus Kap. 22, B. 34 über die vornehmen Gebote: „Du sollst Gott lieben deinen Herrn, und du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst." Hierbei nahm der Redner Gelegenheit, über die skandalösen Agitationen gegen unsere jüdischen Mitbürger zu sprechen. Er äußerte sich ungefähr lute folgt: „Leider seien die Menschen zu jeder Zeit geneigt gewesen, zu trennen, was Gott nach seiner heiligen Ordnung unzertrennlich verbunden habe. So sei es auch mit der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Es habe zu keiner Zeit, so lange dies Doppelgebot bestehe, an Leuten gefehlt, welche es wagten, sich der Liebe zu rühmen, während sie doch um das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen sich wenig oder gar nicht kümmerten, wohl gar sich nicht scheuten, dieselben zu hassen und