Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 184 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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184 los, verteilte sie überall umher, daß sie mit Gottesfurcht, Gesehen und Wissenschaften alles Volk beraten, allen Stämmen zu Hilfe kommen sollten. Einen irdischen König schloß er zwar aus, er sah ihn aber vorher und gab auch ihm seine Schranken, sein Königs- und Kriegsrecht. Den Verfall in Sitten durch Priester sah er vorher; er gab ihnen aber die Propheten als außerordentliche Stimmen, als dictat«>ies und ccnsores morum zu Hilfe, und welch' ein Volk in der Welt bat in so frühen Zeiten eine Reihe so mächtiger, so reiner Stimmen gehabt, als Israel an seinen Propheten? Welchen Dichter Griechenlands oder Roms wagen wir in Ansehung der erhabenen reinen Moral und des umfassenden Nationalgeistes neben einen Jesaias zu stellen und welch ein König der Egypter, Seythen und Indier hat wie David gesungen und gelehrt? Der Entwurf Gottes durch Moses ist nie zur Vollkommenheit gekommen, was aber in Übung kam, ist vortrefflich und für die ganze Welt ersprießlich gewesen — gerade der Segen, zu welchem Israel in Abraham gesetzt ward." Ferner erklärt Herder (Geist der hebr. Poesie): „Es ist unsäglich, was fiir Schütze der Erkenntnis und Moralität des Menschengeschlechtes am Begriff der Einheit Gottes zu hangen bestimmt waren. Er wandte vom Aberglauben, mithin auch von Abgötterei, Lastern und Scheusalen priviligierter göttlicher Unordnung weg, er gewöhnte daran, überall Einheit des Zweckes der Dinge, mithin allmälig Naturgesetze der Weisheit, Liebe und Güte zu bemerken, also auch in jedes Mannigfaltige Einheit, in die Unordnung Ordnung, ins Dunkle Licht zu bringen. Indem die Welt durch den Begriff eines Schöpfers zu einer Welt (Kosmos) ward, machte sich auch der Abglanz derselben, das Gemüt der Menschen dazu und lernte Weisheit, Ordnung und Schönheit. Welche Lehre und Poesie der Erde hierzu beigetragen hat, hat die nützlichsten Dinge bewirkt. Die hebräische hat es vorzüglich. Sie ist der älteste Damm gegen die Abgötterei gewesen, den wir kennen; sie goß den ersten schönen Lichtstrahl der Einheit und Ordnung ins Chaos der Weltschöpfung — und wurde durch ihre Erhabenheit und Wahrheit, durch ihre Einfalt und Weisheit allmählich die Leiterin der Welt." — Ferner sagt Herder: „Die Juden waren und sind das a u s g e z e i ch n e t st e Volk der Erde; in seinem Ursprünge und Fortleben bis auf den heutigen Tag, in seinem Glücke und Unglücke, in Vorzügen und Fehlern, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, so sonderbar, daß ich die Geschichte, die Art der Existenz des Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm wissen und haben. So etwas läßt sich nicht dichten, solche Geschichte, mit allem, was daran hängt und davon abhängt, kurz, solch ein Volk läßt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich bis zur letzten Entwickelung des großen, noch unberührten Knotens aller Erdnaturen hinaus." Nachdem Herder nun näher nachgewiesen, daß diese Geschichte, deren Wahrheit im allgemeinen noch niemand angezweifelt hat, zugleich einen vollgültigen Beweis für die Wahrheit der jüdischen heiligen Schriften sei, setzte er hinzu: „Das sonderbarste Volk