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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-08-01 · Heft 8 (1.8.1905) · p. Seite 180

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 8 (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 Bilde sprechen: Der Wanderer schreitet, rüstig seines Weges. Vor ihm der Berg, den er erklimmt; hinter ihm das Tal, das er verläßt. Und je höher er steigt, und je weiter er kommt, desto mehr verstummt das Lärmen des Tales, bis es endlich in der Ferne leise verhallt. Und wenn er dann oben steht, und die Luft ist so rein und die Welt liegt so weit mit all ihren Sorgen und all ihren Mühen, dann fühlt er sich frei, dann weiß er sich stark, und es wird still und ruhig in seiner Seele. Und er schaut zurück auf den Weg, den er gegangen ist, und die Freuden und Mühen seiner Wanderung sind ihm verklärt durch den Blick von der Höhe. Der Frieden um ihn schafft Frieden in ihm. Kennt ihr das Bild? Es ist die Wanderung unseres Lebens von der Jugend bis zürn Alter. Die drunten sind, streben empor; wir wollen einst glückliche Greise werden. Aber der Weg ist lang, und die Mühen sind groß, und es braust der Lärm, und es tobt der Streit, und die Leidenschaft brennt, und die Sorge quält. Im Kampfe des Lebens finden wir selten den Frieden. Die aber, die schon droben stehen, die Männer und Frauen im Silberhaar, sie blicken hinab von der Höhe zur Tiefe. Was uns hemmt, sie habend überwunden, ums uns fesselt, sie Haben s abgestreift. Die Täuschungen der Welt und die Leidenschaften der Seele liegen weit hinter ihnen. Es ist ruhig und still in ihnen geworden. Und wenn sie zurückschauen auf ihres Daseins Pfad — der Blick von der Höhe verklärt ihnen das Bild. So ist ihr Leben ein Leben stiller Beschaulichkeit; sie sind 'uns ein Symbol des Friedens. Das aber ist des Friedens größter Segen: er strömt von denen aus, die ihn besitzen, und weiht durch seinen Odem alle Räume ihres Hauses. Und so kommt der Frieden auch in unser Altersheim. Nicht wir können ihn geben, die wir noch im Kampfe des Lebens stehen, die Greise und Greisinnen müssen ihn selber bringen: i n sich, mit sich. Das sei das Beste, was sie diesem Hause spenden: den Frieden ihrer eigenen Seele. Er muß im innigen Gemeinschaftsleben derer sich offenbaren, die hier zusammenwohnen und traute Zwiesprache miteinander halten. Es ist die gleiche Welt, in der sie leben, die Welt der Erimrerung. Und bei dem Austausch ihrer Gedanken wird auch das Ernste und Trübe, das sie einst erfuhren, unttvoben von dem Hauche der Verklärung. Es liegt etwas unendlich Wohltuendes in diesem gemeinsamen Gedenken entschwundener Tage.-hier war ich stark, und dort war ich froh; hier hielt ich durch, und dort blieb ich fest; hier Hab' ich einen Schmerz erfahren, und dort Hab' ich ein Glück genossen! Das sei der Frieden unseres Altersheims: eine stille Beschaulichkeit, die rückwärts blickt und von vergangenen Zeiten spricht. Sie spinnt geheimnisvolle Fäden zwischen denen, die drinnen wohnen, so daß sie wie Geschwister werden. Und wie Geschwister sich gegenseitig dulden und tragen, so sollen auch sie sich dulden und tragen lernen mit ihren Schwächen und in ihrer Eigenart. Dann schreitet der Engel des Friedens durch das Haus, unsichtbar, und doch ein mächtiger Fürst. Es ist wie ein Herbstabend, da die Sonne im Westen verglüht und der Arbeiter kommt vom Felde heim, ein Bild der Ruhe und des Friedens. Und wer dann hinein-

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