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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-08-01 · Heft 8 (1.8.1905) · p. Seite 179

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 8 (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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179 hängt. Das gibt ihrem Herzen die Ruhe und ihren: Gemüte das (Gleichgewicht. Und so darf ich's sagen: die Liebe, die in solchem Geiste auf konfessionellem Boden schafft, dient dem wahren Menschentum, denn sie dient dem Seelenfrieden ehrwürdiger Greise. Indem ich das ausspreche, bin ich der Zustimmung aller gewiß, welchem Bekenntnisse sie auch angehören. Wir haben ja alle das gleiche Ziel: Beglückung der Menschen! und die Engel, die zu diesem Ziele uns geleiten, sind dieselben hier wie dort : Edelsinn und Barmherzigkeit. Wir danken ihnen auch dieses Haus. Barmherzige Liebe hat es geschaffen; barmherzige Liebe soll in ihm wirken. Das Altersheim wird zum Familienhans erst durch die Liebe, die drinnen waltet. Sie sinnt und sorgt: sie schafft und hilft mit besonnenem Geist und mit treuem Gemüt, mit ruhiger Würde und mit freundlichem Blick. Sie zeigt Verständnis für die Wünsche des Alters und prüft sie wohlwollend mit Kopf und Herz. Sie geht in dem Sorgen für die Greise auf und lebt in ihre Seelen sich hinein. Es ist die einsichtsvolle Liebe, die denkt und fühlt zugleich. Sie fordert von dem, der sie übt, viel Selbstverleugnung und viel Herzenstakt, aber sie spendet ihm auch das höchste Gut: sie trägt ihren Lohn in sich selbst. Ich las einmal eine Geschichte von Menschen, die das Glück suchten, der eine in: Genuß, der andere im Erwerb, der dritte in der Wissenschaft. Der Genuß berauschte die Sinne, doch er ging vorüber — und das Glück blieb fern; der Erwerb mehrte die Schätze, doch er reizte die Habgier — und das Glück blieb fern; die Wissenschaft erleuchtete den Geist, sie brachte das Glück ihm nahe; doch der bange Zweifel griff an das Herz: Was ist Wahrheit? — und das Glück blieb fern. Da war aber eine barmherzige Pflegerin; selbstlos und aufopfernd gab sie aus dem reichen Schatze ihres Herzens den Armen und Bedrängten, die ihrer Hilfe bedurften. Sie lebte ein Leben der Liebe. Und als sie dann auf ihrem Sterbelager ruhte, da traten vor ihr geistiges Auge die Menschen alle, denen sie Liebes getan; das machte sie glücklich, und ihr Antlitz spiegelte den Frieden ihrer Seele wieder. Sie hatte das Glück gefunden: sie hatte das ewige Leben gewonnen, denn noch im Verscheiden fühlte sie: „solche Liebe ist stärker noch als der Tod." Und solche starke Liebe soll auch in diesem Hause walten, die Greise beglückend und dadurch selbst beglückt. Wer in unser Altersheim eintritt, der muß es lesen in jedem Antlitz, der muß es sehen in jedem Winkel: „Wie schön und herrlich sind dieses Hauses Räume, schön und herrlich durch den Geist der Liebe." Das Altersheim ein Haus des Friedens! Frieden, m. A., ist ein inneres Erlebnis, ist eine Stimmung der Seele. Ihr findet ihn nicht im Kampf und Sturm der inneren Entwicklung; Ihr findet ihn nicht im Wachsen und Werden des reifenden Menschen: nur der besitzt ihn, der eine abgeklärte Weltanschauung sich erkämpft hat. Die Jugend in ihrer Unfertigkeit, der Mann in seinem Wagemut, sie streben nach Frieden, sie wollen ihn erst erringen; aber der Greis im Silberhaar, der hat Frieden, der ist Frieden; sein ganzes Wesen atmet Frieden. Ich möchte in einem

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