Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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178 dem trefflichen Meister, der, unterstützt von treuen Helfern, das Haus gebaut hat in seiner schlichten Schönheit; Dank endlich all den wackeren Männern und edlen Frauen, die' mit opferfreudigem Sinn unb tatkräftiger Schaffenslust selber eingegriffen und die Herzen gewonnen und die Hände geöffnet haben. Ihnen allen^ allen gilt unser heißer Dank. Und ob auch manche von denen, die das Werk gefördert haben, heute schon unter dem Rasen schlummern, lvir ehren ihr Andenken in treuer Liebe um dessentwillen, was sie getan. Aber mögen Freude und Dank noch so berechtigt sein, wenn wir das Geschaffene heute überschauen: wir wollen und dürfen doch nicht vergessen, daß wir erst am Anfang unserer Arbeit stehen. Das Hans ist vollendet, ans Holz und Steinen anfgerichtet, ein Wohlgefallen unserm Auge. Aber zur Heimstätte für unsere Greise müssen nur es erst gestalten. Wenn es denen, die in seine Räume einziehen, ganz zum 1 Familienhans werden soll, zur Stätte traulicher Behaglichkeit, dann müssen wir mit dem Geist der Familie es erfüllen. Was wir als höchstes Glück des eigenen Heimes preisen, das fordern wir auch für unser Altersheim: Liebe, Frieden, Gottesfurcht. Wenn dieses Dreigestirn in seinen Räumen leuchtet, dann gilt auch von ihm das begeisterte Lob, das nach dem Schriftabfchnitt des kommenden Sabbats den Vätern in der Wüste einst gespendet ward — es sei der Text zu unserer Weihepredigt: „Wie schön sind deine Zelte Jakob! Wie herrlich deine Wohnungen Israel!" Denn schön und herrlich strahlt dann dieses Heinr als ein Zeugnis der Liebe, als ein Haus des Friedens, als eine Stätte der Gottesfurcht. Das Altersheim ein Zeugnis der Liebe! M. A.! Als zum ersten Male der Gedanke allgeregt wurde: wir wollen ein Haus bauen für die greisen Männer luld Frauen, denen das stille Glück und die sorglose Beschaulichkeit des eigenen Heimes versagt geblieben ist, da fnnb der Gedanke freudigen Wiederhall, und das alte jüdische Herz wurde lebendig, und tief aus seinem Innersten heraus quoll der Strom der Mildtätigkeit, die voll je ulld. je ein Merkzeichen unseres Stammes war. Sie gab gerne, mib sie gab viel, und in ihrem Geben fand sie ihr Glück. So hat sie dieses Haus geschaffen als ein Denkmal barmherziger Liebe. Doch das Werk ist erstanden auf k o n f e s s i o n e l l e m Boden. Ich weiß, die wahre Liebe ist nicht konfessionell; ihr Auge sieht auf jedes Leid, ihr Herz umspannt die ganze Welt. So lehrt's die Religion, so steht's geschrieben in unserer Seele. Aber ich weiß auch, die wahre Liebe ist duldsam, lind weit sie duldsam ist, mußte sie das Werk auf konfessionellem Boden errichten. Die greisen Männern und Frauen die hier ein Heim finden, bringen als ihr Teuerstes die heilige religiöse Überzeugung mit, die tief in ihrem Innersten lebt. Und was sie da draußen in der Welt so viele Jahre geübt und gepflegt haben, was in Sturm und Not ihr Trost und ihre Hoffnung war, das sollen sie hier drinnen wiederfinden: dasselbe Bekenntnis, dieselben Gebete, dieselben religiösen Sitten und Bräuche, an denen ihre Seele