Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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177 wirken der durch Sprache und durch Weltanschauung von einander Getrennten nicht zu denken ist. Hier war es klar zu sehen, daß wir es nicht mit ei;ier Nation, sondern mit verschiedenen Nationalitäten zu tun haben, und zwar mit russischen, englischen, französischen, amerikanischen und deutschen Juden. Es fehlte zunächst das Kennzeichen einer Nation die gemeinsame Sprache. Die Debatten wurden in deutscher. russischer, englischer, hebräischer und in der Jargonsprache geführt, so daß wie beim Babylonischen Turmbau einer die Sprache des andern nicht verstand. Tie Juden als Volk gehören der Vergangenheit an, sic bilden nur noch eine über die ganze Erde zerstreute Religionsgenossenschaft, die auf eine große Vergangenheit zurückblickt, das religiöse Geistesleben der Völker auch in der Gegenwart beherrscht und auf eine große Zukunft hofft, die die Erlösung der Menschheit bedeutet, „denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Jerusalem" und was Leopold Schwarz in einem Aussatze „Neues Essäertum und Zionismus" hervorhebt, hat seine volle Berechtigung und Gültigkeit: Jesus von Nazareth, den Graetz als eine der drei sittlichen Größen Israels zur Zeit der römischen Herrschaft bezeichnet neben Hillel und Philo, war für ungezählte Nichtjuden der große Heiland, an dessen Namen sich die gräßlichsten Leiden und Verfolgungen unseres Volkes knüpfen, nicht jedoch der Heiland der ganzen Erde, nicht der allgemeine Messias, nicht der volle Erlöser der Menschheit. Wir haben auf unserem weltgeschichtlichen Posten auszuharren und jeder voll und ganz unsere Pflicht zu erfüllen, mitAarbeiten an der Ausbreitung des Reiches, des Lichtes und der Humanität. Hoffen wir zunächst, daß im Osten bald die Judengesetze fallen, dann sind wir in der Judenfrage um ein gut Stück vorwärts gekommen. Wir schließen diesen unseren Bericht über den VII. Baseler Kongreß bei dem Dr. Wolfsohn, der Nachfolger Herzl, die Schlußrede hielt, die jeder Begeisterung entbehrte mit dem Satze: dem Idealismus der Zionisten unsere Hochachtung, ihrem Wohltätigkeitssinne unsere Unterstützung, ihren einseitig nationalen Bestrebungen unsere Gegnerschaft. Mefberede, gehalten bei der Einweihung des israelitischen Altersheims für Westfalen und die angrenzenden Gebiete in Unna am 9. Juli 1905 von Rabbiner D r. C ob lenz. Bielefeld. Andächtige F e st v e r s a m m l u n g! „Diesen Tag hat der Herr gemacht; laßt uns mit Freude ihn feiern!" So lesen wir's in dem Buche der Bücher, und so klingt es jubelnd durch unsere Seele. Das Werk, das barmherzige Liebe erdacht und vorbereitet hat, ist nun vollendet. Dess freuen wir uns in dieser Stunde. Und mit der Freude paart sich der Dank. Dank vor allem dem ewigen Gotte, der das Werk beschirmt und die Arbeit gesegnet hat: Dank