Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Geister, deren wohltätige Folgen bald in Erscheinung treten werden. Wenn irgendwo, so trat in Basel die Utopie des Zionismus klar zutage. Theodor Herzl hat schon im letzten Kongresse, vor dem Dilemma stehend, entweder die aussichtslose Tätigkeit in Palästina anfzngeben oder die Diplomatie, sich zu ersterem entschlossen, sein Herz hing zwar an Palästina, aber sein Verstand wandtesich damals schon, wie Zangwill richtig hervorhob, nach Ostafrika, 'weshalb auch keine Partei das Recht habe, die andere der Verräterei zu beschuldigen. Die Aufnahme des Uganda-Projektes im VI. Kongresse war die Bankcrotterklürung des starren Zionismus und die Antwort des VII. Kongresses, daß das von der Britischen Regierung angebotene Land nicht angenommen werde, weil es nicht Palästina ist, hätte klar und bündig im VI. Kongresse gegeben werden müssen. Indem der VII. Kongreß sich auf diesen Standpunkt gestellt, hat es seinen Fiihrer Theodor Herzl verleugnet und verlassen. Der VI. Kongreß war die Geburtsstätte des kritischen Zionisulus. Er stellte dem utopistischen Zionismus den rationellen, dem großpolitischen den reatpolitischen Zionismus entgegen und so vollzog sich eigentlich schon damals eine heilsame Krise. Das Schlagwort vom Judenstaat in Palästina und vom Charter hat die gedrückten jüdischen Massen geblendet und angelockt, wie es auf der anderen Seite die türkische Regierung stutzig gemacht und abgeschreckt hat. Der Zionismus in seinen Anfängen bewegte sich daher im leeren Raume von Unmöglichkeiten und zog eine Chimäre nach der andern groß. Wir haben in unfern Monatsblättern zu dem Zionismus, soweit er über den Rahmen einer humanitären Bewegung hinausging unb die künstliche Aufrichtung eines jüdischen Volkstums in Palästina erstrebte, eine gegnerische Stellung eingenommen, der durch den Druck und die Not der Zeiten hervorgerufen, ein anderes Gewand angenommen und in seiner Ausgestaltung mit der Sehnsucht der Väter nach Palästina, die aus einer religiösen Stimmung herauswuchs, nichts als den Namen gemein hat. Aus dem religiösen Zionismus ist ein politischer geworden, der sogar zu ersterem in einem bewußten Gegensätze sich befindet. Wir erkennen dabei gerne die Verdienste, die sich der Zionismus, als eine ideale Lebensrichtung, im Gegensätze zum Materialismus unserer Tage um die Widerbelebung des jüdischen Sinnes um die Steigerung des Selbstgefühls und um die Weckung des Vertrauens in die eigene Kraft erworben, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß besonders die Jugend von falschen Idealen geblendet, vielfach geistig entgleist ist und daß vielfach gesunde Kräfte auf falsche Bahnen gelenkt wurden. Sofern der Zionismus eine weitausschauende philanthropische Hilfsaktion sein will, wird er sich stets der Sympathieen aller ernst Denkenden und edel Empfindenden erfreuen und insoferne er für die Hebung der Kultur unter den Juden zu wirken bestrebt ist, während die Anstrebung eines nationalen Judenstaates in Palästina schon aus kulturellen Erwägungen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft werden muß. Wem es bislang noch nicht klar geworden, der mußte beim letzten Kongreß zu der festen Überzeugung gelangen, daß schon vor der Staatenbildung an ein gedeihliches Zusammengehen und Zusammen-