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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-08-01 · Heft 8 (1.8.1905) · p. Seite 175

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 8 (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 in Frankfurt a. M. zu haben scheinen und welche die einzige Richtung ist, die dem Zionismus, der sich bislang nur als eine politische Partei dokumentierte, eine religiöse Färbung geben will und darum besondere Beachtung verdient. Wir hatten Gelegenheit am Sabbath, wo der Kongreß ruhte und wo die einzelnen Parteien Sitzungen anberaumten, nach einer sozialistischen Versammlung auch einer Sitzung der Misrachi-Zionisten, die unter dem Herrn Präsidenten Rabbiner Reines aus Lida, dem zwei Frankfurter Herren, da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, assistierten, anzuwohnen, und zwar in Gesellschaft der Herren Prof. Dr. G. Deutsch, und Dr. Louis Großmann aus Cincinatti. Wir wollen es uns für ein andermal aufsparen, den unvergessen komischen Eindruck dieser Sitzung wiederzugeben, bei der wir trotz der großen Hitze bis zu Ende ausharrten, da man nicht alle Tage Gelegenheit hat, solches mitanzusehen und mitanzuhören. Zunächst mußte es auffallen, daß die frommen Herren die für die Aufnahme in ihren Bund, der nicht auf sonderlich festen Füßen zu stehen scheint, die strengsten Anforderungen inbezug auf die religiöse Haltung stellen, trotz des Sabbats den Ruf „Zur Geschäftsordnung, freilich bei der größten Unordnung so häufig erklingen ließen. Die Versammlung gab ein trauriges Bild von geistiger Rückständigkeit und vom Mangel jeder Kenntnis der Zeit und ihrer Forderungen. Der Vorsitzende Herr Rabbiner Reines aus Lida, ein bedeutender Talmudist und hochachtbarer Charakter, der eigentlich in seiner Person einen Rabbiner aus der vormendelssohnschen Zeit darstellt, eignet sich doch nicht zum Führer des Judentums in unseren Tagen. Die Misrachi-Zionisten sind kulturfeindliche Elemente, die dem Zionismus den Charakter des Reaktionären aufdrücken und passen nur schlecht in die befreiende Macht einer Volksbewegung hinein. Mögen durch die Misrachi-Zionisten die Worte Dr. Martin Bnbers, eines eifrigen Zionisten sich vor Augen halten: Bis an die Schwelle des achtzehnten Jahrhunderts war die Kraft des Judenvolkes nicht blos von außen niedergehalten, von Angst und Qual von Lebensenge und Lebensnot, nicht blos von der Knechtung durch die Wirtsvölker, sondern auch durch die Zwingherrschaft des „Gesetzes" das heißt einer mißverstandenen, verschnörkelten, entstellten, verzerrten, religiösen Tradition, von dem Banne eines harten, unbewegten, wirklichkeitsfremden Sollens, das Alles triebhaft Helle und Freudige, alles Schönheitsdurstige und Beflügelte verketzerte und verachtete, das Gefühl verrenkte und den Gedanken in Fesseln schlugt Daß der Zionismus, durch den ein neues Problem auf der Bildfläche des öffentlichen Interesses getreten war, welches nicht nur die Judenheit, sondern die ganze Kultnrmcnschheit berührte, bei einer solchen Zerrissenheit und Spaltung eine einheitliche, zielbewußte Wirksamkeit nicht entfalten kann, ist klar und der aus der Fernsicht vielleicht noch einige Hoffnung in die Bestandfähigkeit dieser Bewegung setzte, mußte sie bei seiner Anwesenheit in Basel ganz und gar verlieren, wo das osteuropäische kraftvolle, aber ungezügelte und disziplinlose Judentum über das westeuropäische scheinbar den Sieg errungen, in der Tat aber den politischen Zionismus vernichtet hat. Hier in Basel, in der Uganda-Frage vollzog sich die Scheidung der

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