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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-08-01 · Heft 8 (1.8.1905) · p. Seite 173

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 8 (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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173 mit vielen Unzufriedenen, welche keinen Einlaß zu der Kongreßeröffnung erlangen konnten, machten ernstlich Miene, den Kasinosaal, sogar während der Trauerfeier, zu erstürmen. Vor dem Kongreßsaale spielfen sich wüste Szenen ab. Hunderte von Personen drängen lärmend die Treppen empor, eine gewaltige, vergebens Einlaß verlangende Menge staut sich in den Korridoren und in den Vorhallen entsteht ein gefährliches Gedränge, ein Schreien und Toben. Die Crtjiter werden überrannt, Hilferufe erschallen, die zur Sicherheit anfgebotene Feuerwehr steht im Knäuel der Rasenden, zwölf Landjäger rücken auf, aber auch sie sind machtlos lind werden erst Herr der Situation, als lewaffnetc Verstärkung erscheint und verschiedene Verhaftungen vorgenommen werden. Ueberhanpt waren die wüsten Auftritte, deren Schauplatz das Stadtkasino während der Verhandlungen gewesen, und die zum Teil von den Delegierten und den Gästen selbst ausgingen traurige Begleiterscheinungen des VH. Kongresses, die in der Nachtsitzung vom 2t). zum 30. Juli bei der entscheidenden Uganda-Debatte ihren Höhepunkt erreicht hatten. Von den Gallerten wurden sozialistische Proklamationen in den Saal geschleudert, rote Flugblätter und Plakate flatterten durch denselben, russische Lieder wurden gesungen, man stieg auf die Sessel und klopfte auf den Boden, aus allen Leibeskräften wurde geschrieen, Zione-Zionisten gehen mit Stöcken auf ihre Gegner los, die Kronleuchter wurden ausgelöscht, die Rednerbühne und die Plätze des Aktionskomites wurden gestürmt, weshalb die Polizei, die einschreiten mußte, dem Kongresse die Abhaltung von Nachtsitzungen fortab zu untersagen sich veranlaßt sah. Im Saale selbst nahmen die Delegierten ihre Plätze ein und zwar 5üo aus Rußland, 32 ans Deutschland, 41 aus Oesterreich-Ungarn, 40 aus England, h ans Frankreich, je 6 aus Italien und der Schweiz, 24 aus Rumänien, je 4 aus Holland, Belgien, Serbien, Bulgarien, 40 aus Nordamerika, 40 aus Südafrika, 3 aus Palästina und je einer aus Argentinien, China, Australien und Neuseeland.- Die Gallerieen waren dicht besetzt und hunderte von Fremden, die zum Teile aus weiter Ferne hergekommen waren, konnten den erhofften Einlaß in den Saat nicht erlangen. Wenn man in den Kasinosaal blickte, der oft der Schauplatz wilder Szenen war, bekam man unwillkürlich einen traurigen Vorgeschmack davon, wie es in einem jüdischen Staate hergehen würde und gewann die feste Ueberzeuguug, daß es geradezu ein Unglück zu nennen wäre, wenn diese undisziplinierten zur Staatenbildung durchaus nicht geeigneten Elemente jetzt schon Palästina bekommen würden. Dem Präsidium des VII. Kongresses kann allerdings auch der Vorwurf nicht erspart tverden, oft parteiisch vorgegangen zu sein. Es fehlte dem Kvngresse, der parlamentarisch ungeschult war, die kräftige, fachkundige und fügen wir auch hinzu die gerechte Leitung, wodurch die Leidenschaften entfesselt wurde. Es sind geradezu Vonseiten der Leitung unerhörte Fehler begangen worden, die auch sonst ruhige Naturen empören mußten. Im Kasinosaale und am Barfüsserplatze waren vom frühen Morgen bis in die tiefe Nacht hinein Typen aller Länder und Erdteile zu sehen und war es besonders die aufgeregte Jugend Rußlands, die sich durch viel Kraft

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