Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 169 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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169 Bitten der Philisterfürsten den jüdischen Helden Sinuou, der ihr Volk hart bedrängte, dazu verführt, das Geheimnis seiner Kraft zu verraten, das in den gottgeweihten Locken lag. Nachdem er eingeschlafen war, hat sie ihm die Locken abgeschnitten und die lauernden Philister herbeigerufen. Der nun folgende Moment ist im Bilde dargestellt. Ein Philister hat den Helden von rückwärts um die Brust gefaszt und ist mit ihm zu Boden gestürzt. Ein zweiter stößt ihm das rechte Aug ans, ein dritter fesselt ihn am rechten Handgelenk: ein vierter sichert die Gefährten mit seiner Pike, die er dem Gemarterten vorhält; ganz rechts kommt noch ein fünfter Krieger mit vorgehaltenem Schild und erhobenem Schwert herbei. Dalila, die Schere in der Rechten, die abgeschnittenen Locken in der Linken, eilt hinweg. Mit größter Kunst sind die sieben säst lebensgroßen Figuren in einer Komposition vereinigt, die ebenso lebendig wie reich an Kontrasten ist. Rechts ein dichter Knäuel von formen in stetem Wechsel von helleren und dunkleren Teilen: links die slächenhafte Einzelfigur, deren formen zu wirkungsvollem Umriß auseiuaudergebreitet sind, dunkel gegen die größte Helligkeit gesetzt. Dazwischen zwei diagonale Bewegungen.- Simsou nach rechts unten und vorne, Dalila nach links oben und in die Tiefe gehend. Die Figur nimmt die Mitte der Bildfläche ein; sie hat sehr interessante Beleuchtung. Bon unten heraufkommend, zwischen den Armen durch und im Gesicht die Stellen aufhellend, die sonst dunkel sind. Erregung und Triumphgefühl, sind in dem Glänzen der Augen und der Bewegung des Mundes meisterhaft gegeben. Diese Figur ist auch dadurch bevorzugt, daß sie am meisten leere Fläche mn sich hat, und zwar steht sie als feines Braungelb in einem prächtigen Farbeukreis von grün, grau und blau. Dagegen steht daun links die rote Figur mit einer Fülle feinster Nüaneeu im einzelnen, während rechts, uw die Formen reicher znsammengedrängt sind, mattere Farben vorherschen, stahlgrau iiixb braun. Die malerische Durchführung ist überall meisterhaft, die Art des Farbenauftrags wechselt nach Gegenstand und Beleuchtung. Man vergleiche etwa das Stück Blau unter Simsous rechtem Fuße mit dem Blangrau rechts neben Dalila. Rembrandt hat eben dieses Bild ganz eigenhändig gemalt, während etwa Rubens die vielen großen Bilder, die aus seiner Werkstatt hervorgingen, nach seinen Skizzen von Schillern malen ließ, um sie dann mehr oder weniger sorgfältiger 31t übergehen. Rembrandt dagegen malte gewöhnliche kleine Bilder für holländische Bürger. Fu unserem Falle hat er. damals besonders glücklich und gefeiert, ein ungewöhnlich großartiges Werk schaffen wollen, dem Formate nach das zweitgrößte unter den mehreren hundert Bildern des Meisters und von ganz gewaltiger Lebendigkeit. Das Bild ist trefflich erhalten. Die beiden schmalen Streuen rechts und links sind spätere Fusäne, nicht von Rembrand: die Farbe ist hier vielfach abgesprungen. Das eigentliche Bild dagegen ist tu ungewöhnlich gutem Zustande. Sb und wann der hier und da störende Firnis weggenommen werden soll, ist noch nicht ent schieden. Das Bild befand sich seit der Mitte des 1*. Jahrhunderts in der gräflich Schönbornscheu Galerie in Wien. Eine alte, and) neuerdings wiederholte Fabel sagt, '4