Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 167 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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167 nicht gestört werde, versetzt er das Hohelied in eine Zeit, wo der Natursinn der Juden von den ethischen Grübeleien noch nicht angekränkelt war und in der so reine, so innige wildschöne und berauschende Liebestöne hervorgebracht wurden, mit welcher Perle der Literatur die spätere Zeit nichts anzufangen wußte. Nach des Verfassers Meinung liegt der Grund des jüdischen Martyriums nicht bei den Völkern, sondern bei den Juden selbst, die einen fortwährenden Kampf gegen Ästhetik und Logik führen. Wir haben schon ans das Unstichhaltige dieser These, die die Grundidee des Buches ist, hingewiesen und müssen es unseren Lesern überlassen, aus dem Gebiete ihres Wissens und ihrer Erfahrung die Haltlosigkeit dieser schillernden Behauptung zu erkennen. Im achten Kapitel wird die Frage behandelt: Wie haben die Juden sich erhalten. Von den 10 Millionen Juden leben 8 Millionen unter der Herrschaft des Talmud mit den Merkmalen einer historischen Nation, aber auch die 2 Millionen Juden des Westens sind im Kultus und Zeremonial jüdisch-national. Interessant, weil aktuelle Verhältnisse berührend sind die zwei letzten Kapitel 9 und io, welche das moderne Judentum und den Zionismus behandlen. Lehr arg ist Elias Jacob auf die modernen jüdischen Theologen zu sprechen. Er schreibt: „Must denn der Schuster an seinen Stiefel glauben", diese Worte erwiderte ihm einer dieser Herrn Theologen, als er ihn auf den Widerspruch zwischen seiner Predigt und seinen ihm gegenüber geäusterren Ansichten aufmerksam machte. Diese Antwort wäre allerdings typisch für Theologen, die ihren Brief als ein Handwerk als eine Branche auffassen. Der Rabbiner wäre daun allerdings, wie Elias Jacob boshaft hervorhedt, ein mehr oder weniger gut funktionierender Automat. Wirft man ein Goldstück heinein, kommt eine Rede heraus. Eine matte, eine schwungvolle, etne traurige, eine heitere, eine orthodoxe, eine radikale, je nach der Situation oder der Größe des Geldstückes. Was den Zionismus anbelangt, so kennzeichnet die Lage ein nach den entsetzlichen Judenkravallen erschienenes Flugblatt ..Lomer gein in Schul araiv. Zurück tit die Synagoge lautet die Parole, zurück ins Getto und man strebt eine unnatürliche Aussöhnung des Modernen mit dem Althergebrachten an. Der Zionismus mit allen seinen organisatorischen nationalen Vorstufen, wollte weder an die Religion noch an die Geschichte anknüpfen. Zionismus bedeutet eine traurige Absage an die christliche Gesellschaft, die die Annäherungsversuche der Juden so schmählich zurnckgewiesen, aber der Zionismus bedeutet nebstdem auch eine Auflehnung gegen das Joch der jüdischen Tradition. Theodor Herzl, als moderner religionsindifferent erzogener Mensch kam zu dem Schlüße: Wenn der Jude weder auf Dogmen noch auf Zeremoniatgeseye verpflichtet ist, so kann das, was ihn an das Judentum knüpft nur das Nationale fein. Doch Herzl hat sich getäuscht, das Judentum wurzelt noch als Religion tief im Herzen seiner Bekenner und gar die großen Massen im Lsten fanden, daß der gesetzesübertretende Herzl unmöglich der von Gott gesandte Messias sein könne. Wir haben ausführlicher