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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-08-01 · Heft 7 (1.8.1905) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 7 (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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159 iaiu'» nicht ner standen oder er tut ihm Gewalt an. Ich ha de also in »keinem Artikel — nm es kurz zusammenzufasseu — nichts weiter gesagt als dies: manche religiösen Branche desIudentunlS haben heute noch einen nationalen Charakter, den aber nur wenige Juden als solchen erkennen. Und eben weil sie ihn nicht erkennen, deshalb üben sie die betreffenden Bräuche als religiöse Zeremonien lediglich ans religiösem Pflichtgefühl, auch wenn sie ihnen innerlich ablehnend gegenüberstehen. Darum wies ich auf das Nationale in jenen Zeremonien hin. Den politischen Zionismus als geschloffene Weltanschauung bekämpfen wir, weil er unserem deutschen Empfinden widerstreitet: mir wollen mit ihm nicht s zu tun haben. Nun wäre es doch nur eine Konieauenz dieses Standpunktes, wenn wir auch die erwähnten religiösen Bräuche, sobald uns ihre nationale Eigenart zum Bewußtsein kommt, beseitigen, nicht etwa, wie Herr Dr. G. behauptet, mir Rücksicht auf unsere christlichen Mitbürger, sondern um unseretwillen, und nur um unseretwillen, weil sie uns innerlich fremd geworden sind und „mit dem Wesen des Judentums nichts gemein haben." Tiefe Auffassung habe ich mit sachlichen Gründen belegt. Bon den ungeheuerlichen Anschauungen aber, die Herr Tr. Goldschmidt mir zuschreibt, steht in meinem Aufsätze kein Wort: sie leben nur in seiner Phantasie. - ' H e V V D r. Goldschmidt z i t i e r t mich falsch, und paar nicht nur in nebensächlichen, sondern auch in sehr wesentlichen Punkten. Ich lasse die Tatsachen selber sprechen: Ich hatte mich in meinem Aufsatze auf einen Ausspruch Eduard von Hartmanns berufen, der darauf hinweist, daß „die Juden durch ihre religiöse Titte verhindert sind, als Gäste ihrer christlichen Mitbürger an deren gesundheitsgemäß bereiteten Mahlzeiten teilzunehmen." .Was tut Herr Tr. G.? Er sagt wörtlich: „Ja, aber der Jude nimmt keine Einladung beim Teutscheu an'? Bo? Beim Deutschen?" Also äuderl Herr Tr. G. die Hartmann'sche Gegenüberstellung von Jude n und ch r i st l i ch e n M i t b ü r g e r n in die ihm offenbar wirksamer erscheinende von Juden und Deutschen: und er stellt es dabei so dar. als ob dieser Gegensatz zwischen Juden und Deutschen von mir konstruiert sei. Es ist schwer, für ein solches Verhalten das rechte Wort zu finde«, ferner: ich hatte in meinem Aufsätze betont, daß nur vereinzelte deutsche Rabbiner „auf Grund ihrer unabhängigen Stellung es wagen dürfen, das Speisegesetz öffentlich zu bekämpfen". Was macht Herr Tr. G. daraus? Er unterschiebt mir die Äußerung, daß ein Teil der liberalen Rabbiner „nicht den Mut habe, ihrer Überzeugung nach zu handeln". Ter Unterschied ist klar: wenn ich etwas „nicht wagen darf", dann liegt der Grund außer mir: wenn id) zu etwas „nicht den Mut habe", dann liegt der Grund in mir. Tort find es objektive, hier subjektive Momente, die mich bestimmen. Über die ersteren habe ich keine Gewalt: die letzteren reguliere ich selbst. Das ist doch etwas wesentlich Verschiedenes. Weiter: an einer Stelle hatte ich von Harnacks „Wesen des Christentums" gesagt, es habe „in den besten Kreisen der protestantischen Bevölkerung freudigen Widerhall gefunden". Das gibt Herrn Tr G. Veranlassung, mir

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