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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-08-01 · Heft 7 (1.8.1905) · p. Seite 156

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 7 (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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steht. Dies ewige Antichambrieren beim Protestantismus hat der Reform des Judentums wahrlich keinen Legen gebracht. Cin jedes Kind in der schule will individuell behandelt sein : und jeder Patient null vom Arzt individuell behandelt sein: und Tr. Coblenz will die Wunden des Judentums mit den Pslästerchen heilen, die einige geschickte Geschichts-Künstler dem kranken Leibe des Christentums appliciren? Hat denn der Crfolg die Heilkraft dieser Pslästerchen bestätigt'? Ist denn buchhändlerischer Crfolg gleichbedeutend mit pädagogischem und ärztlichem Crfolg? Und wenn nun Herr Dr. Coblenz es glücklich zu wege bringen konnte, die jüdischen Dpeisegeietze, die hebräische Gebetsprache, die Bar - Mizwah und dgl. abzuschasscn : toas hätte er dann damit erreicht'? Cr würde sich damit wohl als geschickten Baum eist er erweisen, nämlich für die-breiteste und bequemste Brücke zur . . . Taufe.. Wenn das Deutsch - Rationale, das jedesmal Dentfchnationale, und in jedem andern Lande das jedesmal dort Nationale das Kriterium sein soll für das im Judentum Berechtigte, dann wird der Dtolz des Judentums sich doch dagegen anfbäumen und sich darauf besinnen, dast Israel das „Bolk des steifen Nackens" ‘ ist. Wenn das Judentum in den Jahrtausenden seines Bestehens immer nach dem Neeept des Herrn Dr. Coblenz harre handeln sollen, dann uniie der Patient längst vom Dchauplatz der Geschichte verschrvnnden. Wenn mit solchen Mitteln den: Juden rinne geholfen wäre, dann wären die Herren „Arzte" überflüssig, dann konnte der Patient sich selber helfen. Cs gibt schon Tausende and aber Tausende, die den Jorderungen des Herrn Dr. Coblenz entsprechen, die nicht nur selbst alles Zeremonielle, auch Befchneidnng und religiöse Trauung?e. für sich beseitigt haben, sondern auch für prinzipiell gleichgültig halten. Nach Coblens Postulat müszten das die gesündesten Teile des Judentums sein: aber das glaubt Coblenz doch gewist selber nicht. Hder doch'? Coblenz erklärt es in dein Borwort zu seiner Predigtsammlung als einen Vorzug derselben, dast sie gar keinen hebräischen Text haben, dast er sich an protestantischen Mustern gebildet itnd nichts spezifisch Jüdisches seine Predigten charakterisiere. Doll das wirklich gesund fein, eilt Allerwelts Brei und gar nichts Besonderes \\\ sein? Alles Leben und alle Gesundheit ist individuell, und das Heil und die Gesundheit des Indem tums sollte jenseits alles Individuellen liegen? —- Nein, Herr Dr. Coblenz ist für das Judentum der Gegenwart nicht der rechte -Diagnostiker. Ich glaube,, ihm fehlt dazu, was er so leideltschaftlich bekämpft: der Dchuiehan Arnch! Cr will, nach seiner Meinung, das Judentum vom Dchulchan Arnch heilen, und er kennt den Dchnlchan Arnch nicht. Der Arzt, der Dpezialist fiir eine Krankheit fein will, must sich mit Liebe dieser Krankheit zuwenden und in ihr Wesen versenken. Die größten Meister der Arzneikunst haben an der Krankheit gelitten, die ihre Spezialität war. Aber Coblenz leidet nicht am Dchulchan Arnch und hat nicht daralt gelitten, und er will das nach seiner Ansicht daran leidende Judentum heilen, indem er bei Harnack in die Dchnle geht, der das Christentum von seinem „Dchulchan Arnch" heilen will, ohne dast er daran tridet und gelitten hat. Harnack

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