Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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der seine Ansichten über die jüdischen Speise Gesetze nicht nur theoretisch ansspricht, sondern auch in seiner Gemeinde praktisch nicht verleugnet. Ob das als Rabbiner sein gutes Recht ist, das hat er mit keinem andern als mit sich selber auszumachen. Aber er sott sich mit dem Mute seines religiösen Freisinns begnügen und nicht verlangen, daß man ihn: eine deutsch - nationale Bürgerkrone aufs Haupt setze, wenn er in einem nichtjüdischen Restaurant ein Kotelett sich gut schmecken läßt' Er v^rzAtet auf die jenseitige Belohnung, die der fromme Jude für seine religionsgesetzliche Enthaltsamkeit erwartet: das ist uneigennützig. Aber er sott sich mit dem Äquivalent begnügen, daß er hier auf Erden bequemer und billiger lebt, als der entsagunqsreiche fromme Jude, oder als der Teil der freisinnigen Rabbiner, die nach Dr. Eoblenz' kottegialer Meinung nicht den Mut haben, ihrer Überzeugung nach zu handeln. Aber er verlange dann nicht nach dem deutschnationalen Eichenkranz für seine Bürgertugend, die nur um den Preis einer Denunziation des von ihm als R a b b i n e r vertretenen Bekenntnisses, daß es in seinem Speisegesetze anti-deutsch sei, zu erkaufen ist.' Er ist voll von Bewunderung für Harnack und für den freisinnigen Pfarrer T. Fischer :c. — — — würde aber Harnack und Gesinnungsgenossen je ans die Idee kommen, atte an die Göttlichkeit Christi Gläubigen als antideutsch zu denunzieren, weil der Glaube an die Göttlichkeit Christi aus dem Orient stammt'? — Das heißt ein fremdes Element in die Diskussion hineinbringcn, das ist einerseits, wegen des dennnziatorischen Beigeschmacks, geschmacklos, aber andererseits auch gegen das Interesse der Wissenschaft und der Wahrheit. Wissenschaft und Wahrheit verlangen Objektivität, nicht Menschenfurcht, nicht Rücksicht aus das, was dieser oder jener darüber denkt. Man kann über den Wert der Speisegesetze, der hebräischen Gebersprache, der Bar - Mizwah :c. in unserer Zeit diskutiren, mau kann-über die geschichtliche und ethische Bedeutung derselben seine eigene Meinung haben und Vorbringen, es kann da jeder aus seiner eigenen Weltanschauung und seinem eigenen Gefühl heraus sich für oder dagegen entscheiden . . . das ist eines jeden gutes Recht. Aber der Jude, der vom Standpunkte des Deutschtums, des nationalen Deutschtums, sein Judentum beurteilt, der . . zei^t keinen guten Geschmack, er macht den Eindruck, als wollte er bei den . . . Vertretern des Deutschtums das liebe Kind sein . . . es riecht nach Antisemitismus, nach Polizei - Spitzeltum u. s. w. Was hat das Deutsch - Rationale, das muß sich doch jeder objektiv Denkende sagen, mit der Religion und ihren Vorschriften zu tun, so lange die Religion keine Politik treibt? Ebenso wenig sachlich und geschmackvoll ist es, wenn Eoblenz mit Gewalt vom Protestantismus lernen will, wie maus im Judentum machen sott, wenn er Harnacks „Wesen des Christentums", weil es den buchhändlerischen Erfolg für sich hat, so in den Himmel hebt und keine Ahnung davon zu haben scheint, wie die ganze „Leben Iesu- Richtung" mit der Methode der ganzen modernen Geschichtsforschung im Widerspruche