Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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154 der er als ba* Ziel seiner Pfeile nicht das „Nationale", sondern das „unbewußt Nationale" bezeichnet. Der Zionismus ist seinem Wesen nach ein b e w n ß t Nationales, während die Speisegeselze, selbst wenn sie „Überreste jüdisch-nationaler Eigenart" sind, heute doch nur als bewußt Religiöses und nicht als bewußt 'Nationales geübt werden. Das Bewußtsein ist aber dabei nicht Nebensache, sondern Hauptsache. Wenn eine Tat mit Bewußtsein die Spitze gegen das Deutsch - Nationale richtet, dann ist es antideutsch. Wenn aber irgend etwas geschieht, was nicht im Deutschtum wurzelt, aber gegen das Deutschtum sich indifferent verhält, dann gehört schon ein großer Mangel an Objektivität dazu, darin einen Gegensatz zum Deutschtum zu erblicken und es im 'Namen des Deutschtums zu bekämpfen. Wenn alles, was nicht deutschen Ursprunges ist, ein Gegner des Deutschtums wäre, dann hätte . . . der Zionismus Recht, wenn er im jüdischen Blut einen absoluten Gegensatz zum Deutschtum erblickt. Wer nicht Zionist ist, der muß sagen, daß über das 'Nationale nicht die phiffiologiiche oder historische Abstammung, sondern einzig und allein die Gesinnung, also das B e w u ß t s e i u entscheidet. Das ist ja der Nern der Raren - Theorie, zu welcher ja auch der Zionismus gehört, daß sie den äußeren Tatsachen, dem Blut, der Abstammung, einen aller Erziehung mtb Entwicklung ewig Widerstand leistenden ethischen Wert beilegt. Das Blttt ist ewig, der Wille ist nichts: das ist Raeentheorie, das ist Zionismus. Bon diesem Standpunkte aus hätte die Eoblenz'sche Polemik gegen das Speisegesetz :c. vielleicht einen Sinn. Aber als Gegner des Antisemitismus, der Raeentheorie, als Gegner des Zionismus, von der Polemik Geigers gegen den Zionismus, ausgehend, die Zeremonien des Judentums im Namen des nationalen Deutschtum zu bekämpfen: das ist eilt logischer Widerspruch. Die jüdische „Nase" - man glaube nicht, daß ich Dr. Eoblenz lächerlich machen will, das gehört aber streng zur Sache — — Die jüdische Nase stammt gewiß aus dem Orient; aber hat der Antisemit Recht, tvenu er int 'Namen des Deutschtums gegen die jüdische Nase protestiert? Nun ist aber das genannte Körperglied doch sogar etwas Positives, während die jüdischen Speisegesetze doch nur ein Unterlassen sind: kein Schweinefleisch, kein in der Butter gebratenes Elbisch, kein nicht rituell geschlachtetes Jleisch :c. essen. . . . damit, soll man sich gegen das Deutschtum versündigen? — Za, aber der Jude nimmt keine Einladung beim Deutschen an? So? Beim Deutschen? Der orthodoxe Jude nimmt wirklich keine Einladung bei einem Menschen aus keinem andern Grunde an, als weil dieser Deut s ch e r ist? So? Ist denn der orthodoxe Jude, bei dem er eine Einladung annimmt, kein Deutscher? Ist das die Sprache, der Gedankengang eines Mannes, der von Geigers Urteil über deit Zionismus ansgeht und der sogar glaubt, was mir noch sehr zweifelhaft erscheint, daß Geigers Urteil über den Zionismus „die unbedingte Zustimmung des weitaus größten Teils der deutschen Juden finden werde"? Wenn der Deutsche erst da anfängt, wo der Jude anshört: hat dann der Zionismus nicht Recht? — Ich gestehe offen, ich -bewundere den Mut des Herrn Rabbiner Dr. Eoblenz,