Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 Eigenschaft nfe geschäftsflihrender ^ovfitu'itbcv des D. I 0>. B. gerade in der Bezirksrabbinatsfrage gemacht hatte, nicht den geringsten Zweifel gelassen. Merkte man in der Versammlung denn gar nicht, w i e s ehr man d ie A u to r i t ä t d e S G e m e i n d e - b 1111 dev in der £T ff en111cf)feit schädigt, iuen n mait ihm Beschl ü sse znr A u s f ü h r n n g ü b e r trägt, in Bezug aus die der Vorsitzende von vornhereitt erklärt: Wir -können sie gar nicht nasführen! Was will man eigentlich mit solch' zwecklosen Demonstrationen erreichen? Glaubt mau etiva, die Bezirksverbände würden nun mit einem Male ihre erst im verflossenen Jahre gefaßten Beschlüsse, welche fast durchweg die Bildung von BezirkSrabbinaten ablehnten, wieder umstoßeii und um der schönen Augen der Frankfurter Versammlungsredner willen zu gegenteiligen Anschauungen sich bekehren? Das ist doch gar zu naiv. Die Provinziatverbaude haben aus sehr ernsten, nwhlerwogenen Gründen ihre vorigjährigen Beschlüsse gefaßt: sie beurteilen die lokalen Verhältnisse naturgemäß, weil aus der Nähe, viel besser und zuverlässiger, als die Zentralleitung. Da sollte man doch ihrem Votum eine größere Bedeutung beimessen und dem Ausschuß des D. I. G. B. die Blamage ersparen, ihm Ausgaben zu stellen, die er nicht ausführcn kann. Ohne Mitwirkung der P r o v i n z i a l v e r bände gibt' s ü b e r h a u p t keine B e z i r k s r a b b i n a t e! Das scheinen die Herren in Frankfurt ganz übersehen zu haben. Also, man mag die Ablehnung des Philippson'schen Antrages betrachten von welchem Standpunkt man will, sie erweist sich immer als ein Schlag ins Wasser, zum mindesten aber als eine schwere Schädigung der Autorität des D. I. G. B. Und das ist im Interesse der Männer, die in so selbstloser und hingebender Weise an der Spitze des Bundes ivirken, aufs tiefste zu bedauern. Ihre Arbeitsfreudigkeit wird dadurch nicht erhöht. Richtiger wäre gewesen, man hätte die ganze Frage vertagt, entweder bis zur gesetzlichen Regelung, oder bis zur privaten Schaffung der Instanzen, die vorher gegeben sein müssen, wenn der Bezirksrabbiner nicht ein Selb st h e r r s ch e r iverdeu soll. S h u e f e st st e h e u d e, g e s o n d e r t e Lehrpläne s ü r den R e l i g i o u s u u t e r r i ch t in den Schul e n freisinnig e r u n d o r t h o d o x e r G e m e i ujd e ii , o 1) n e Zent r a l ft e l l e, o h n e B e s ch lv c r d c i n st an;, o h n e g e n a u e U m g r e u z u n g de r R echte und Pflichten de r R a b b i n e r u u d L e h r e r sind B e z i r k s r a b b i n a t e e i n tt n d i ii g. Deshalb können auch die siiddeutschen Verhältnisse nie zum Vergleiche herangezogen iverdeu, weil dort eben alle Vorbedingungen schon erfüllt sind, die uns Norddeutschen noch fehlen. E r st d a s F u n d a m ent und dann das Gebäude: s o n st st ü r z t d a s G e band e in Tr ii m m e r.' Wie sehr eine sorgfältige Prüfung aller Vorfragen not tut, das mag durch die Tatsache erhärtet werden, daß der Vertreter der Stadt Hannover, Herr Senator Fischer, die Verhältnisse der Hannover'schen Bezirksrabbinate als vorbildlich empfohlen hat, obwohl gerade dort die Bezirksbezw. Landesräbbiuer zugleich a m t l i ch e K r e i s s ch u l i n s p e k t o r e n sind, ein Zustand, der, wie auch Herr Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg ausdrücklich betont hat, durch Bildung von Bezirksrabbinaten unter keinen Umständen geschaffen tverden soll. Piscite moniti!