Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 136 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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m Aragonien herrschte in der Mitte des 1^. Jahrhunderts König Jayme iJakob l>, der gleich dem französischen fanatischen König „Ludwig dem Heiligen", mit dem er, da er in Frankreich Besitzungen hatte, öfters in Berührung kam, die Juden (samt ihren Gütern i als des Königs Eigentum oder richtiger als dessen Kammerknechte erklärte. Überdies ist König Jakob I. von seinem Beichtvater, dem Dominikanergeneral Raymond von Penaforte, dessen Beistand er stets seines lasterhaften Lebenswandels wegen in Anspruch nehmen mußte, sehr beeinflußt worden. Der schlaue herzlose Penaforte hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die moralische und geistige Existenz des Volkes Israel durch allerlei Ränke und Jntriguen in Frage zu stellen. Er ließ daher in den Schulen, die unter der Ägide von Dominikanern standen, auch hebräisch und arabisch unterrichten, damit es den Missionären durch die Kenntnis dieser Sprachen wie überhaupt durch die Kenntnis der Bibel eher gelinge, die Juden und Mohamedaner bekehren und für die christliche Religion gewinnen zu können. Der gute Mann aber harte sich sehr getäuscht, denn durch die Kenntnis der Bibel wurden wohl nicht die Juden, wohl aber mancher christliche.Prediger bekehrt. So z. B. hatte sich in London ein Dominikanermönch, namens Robert de Redingge, der infolge seiner glänzenden Rednergabe sein Auditorium stets begeisterte, gründliche Kenntnis der Bibel angeeignet, und infolge des fleißigen Bibelstudiums empfand er eine solch heiße Liebe zum Judentum, daß er sich in den Verband Israels aufnehmen ließ und den Namen Haggai angenommen hatte. Im Sommer 127o heiratete er eine Jüdin. Als er wegen seiner Abtrünnigkeit zur Rede gestellt wurde, verteidigte er sich wacker, indem er auf die ewigen Wahrheiten der Thora hinwies. Was nlit ihm dann weiter geschah, ist nicht bekannt. Die Dominikaner schämten sich, daß eines ihrer Mitglieder znm Judentum übergetreten ist und wurden von den Franziskanern, die sie sehr haßten, dieses Renegaten wegen verhöhnt unb verspottet «vergl. Schebet Jehuda 20i. Zu Anfänge des 17. Jahrhunderts hingegen war es ein Franziskanermönch in Lissabon, der sich durch das fleißige Bibellesen für die herrlichen Lehren und ewigen Wahrheiten der Thora im höchsten Maße begeisterte. Es uuir dies Frag Diego de la Ascension, der so sehr von der Wahrheit des Judentums durchdrungen war, daß er nicht umhinkonnte, diese seine Überzeugung öffentlich anSzusprechen. Es gehörte dazu viel Mut, ja ein wahrer Heldenmut, in einem Lande wie Portugal,' wo damals die Jnguisition ihr goldenes Zeitalter feierte, als geborener Christ denn Frag Diego de la Ascension lvar von altchristlichem Blute — das Judentum zu verherrlichen und als die „eigentliche wahre göttliche Religion" zu preisen. Die Jnguisition ließ ihn in den Kerker werfen und die bedeutendsten Theologen gaben sich Mühe, ihn von seiner „Ketzerei" abzubringen. Alles vergebens! Er widerlegte -vielmehr alle ihre Einwendungen mit biblischen Stellen. Bei dieser Gelegenheit aber unterließ er es nicht, ihnen zu eröffnen, daß sehr zahlreiche Franziskanermönche gleich ihm von der „Wahrheit des Judentums" aufs innigste überzeugt sind, allein ihnen fehlt der Mut, sich mit den Kronen des Märtyrertums zu