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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-06-01 · Heft 6 (1.6.1905) · p. Seite 131

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 6 (1.6.1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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131 II. M. A.! Einer solchen Wurzel mußte aber auch ein Stamm entsprießen, den die Stürme der Jahrtausende zu zerstören nicht imstande waren. Zeigt sich uns als die Wurzel des Lebensbaumes der Glaube an den einzigen und heiligen Gott, so mußte sie einen Stamm treiben, den die Thora uns zeichnet mit den Worten „kedauschim tihju". „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige euer Gott." Was aber versteht unsere Religion unter Heiligkeit? Etwa, daß man ein stillbeschauliches Leben führe, daß man sich hinter undurchdringliche Mauern zurückzieht, daß man Eltern ihre Kinder raubt, um sie zur vermeintlichen Seligkeit zu erziehen? Mit Nichten! Das ist nicht die Heiligkeit, wie sie die Religion des Judentums lehrt. Schon die „asseres hadibraus", die 10 Gebote setzen das große gewaltige Ringen auf dem Kampfplatz des Lebens voraus. Sie gebieten Arbeit und Thätigkeit als religiöse Pflicht. Roch genauer erfahren wir. was unsere Religion unter Heiligkeit versteht, wenn wir das herrliche 19. Kapitel des HI. Buches der Thora aufschlagen. Heiligkeit, so lehrt uns diese Stelle, ist nichts anderes, als die höchste Stufe der Sittlichkeit mitten im stürmischen und ver suchungsreichen Leben. Heiligkeit ist nichts anderes als Reinheit des Familienlebeus. Reinheit der Gesinnung, Gerechtigkeit und Nächstenliebe. Wahrlich, m. A.. fassen wir nur dieses eine Kapitel und diese Auffassung von der Heiligkeit ins Auge, dann müssen wir sagen, daß all die Ausgrabungen und all die Entzifferungen, mit denen man der Welt ein neues Licht zu bringen glaubte, nur dem Strohfeuer gleichen, das zwar gewaltigen Qualm entwickelt, nicht aber im Stande ist, das Sonnenlicht der Thora zu verdunkeln. Ja dieses einzige Kapitel zeigt uns den Stamm des Lebensbaumes, den Jahrtausende zu zerstören nicht im Stande waren, und der Israel Unsterblichkeit ver leiht bis ans Ende der Zeiten.? III. Ist die W urzel des „ez-chajim" der Glaube an den einzigen und heiligen Gott, der Stamm ein heiliges Leben ein Leben der Sittenreinheit, Gerechtigkeit und Nächsten liebe, so ist die Krone des Lebensbaumes die Menschenverbrüderung und der ewige Völkerfrühling. Schon auf den ersten Blättern der heiligen Schrift wird der Mensch als ein Ebenbild Gottes bezeichnet. Tiefer Gedanke wurde von den jüdischen Propheten festgehalten und immer weiter ansgeführt. So ruft beispielsweise der Prophet Jesaia aus: Einst wird kommen die Zeit, da werden die Völker ihre Schwerter umschmieden zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern, nicht fürder wird ein Volk erheben gegen das andere das Schwert, nicht fürder werden sie das Kriegshandwerk lernen, sondern sprechen: Haus Jabob! Auch wir wollen wandeln im Lichte Gottes. M. A. Nicht blos Gesetzbücher, sondern auch Sagen zeigen uns das Kultur und Sittenniveau, auf dem ein Volk sich befindet. Nun. Bekenner anderer Religionen schufen die Sage vom ewigen Juden,

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