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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-06-01 · Heft 6 (1.6.1905) · p. Seite 130

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 6 (1.6.1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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130 — M. A. Wollen wir die Wurzel des Lebensbaumes, der Israel Unsterblichkeit verlieb, kennen lernen, so müssen wir zunächst ins Auge fassen die Worte, mit denen das erste Gebot beginnt. „Onauchi adonoj' etihecho". „Ich bin der Ewige dein Gott/ Doch damit allein hätten wir die Wurzel tes Lebensbaumes noch nicht vollkommen erkannt, ins Auge fassen müssen wir noch, das Wort der Thora „kedauschini tihju". „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich dieser beiden Sätze, der Glaube an den einig Wurzel des wunderbaren Lebensbaumes, durc Wort, das wir heute gebetet „lau omus ki echjeh", Israel soll nicht sterben. Israel soll einig leben, solange es nicht selbst mit Frevlechand diese Wurzel zerstört. der Ewige euer Gott." Der Gedanke einzigen und heiligen Gott, er bildet die ch den sich erfüllt hat des Psalmsängers abzusägen, um dadurch Israels L-turz ephira, die Zeit zwischen dem Pesach und M. A.Dadurch daß Gott Israel jenen Lebensbaum spendete, sind dem jüdischen Volke zahlreiche Ieinde und Neider entstanden, llngebildete rohe Pöbelmassen im Mittelalter wollten durch Mord, Grausamkeit unb Martern, wie sie kaum die roheste Phantasie ersinnen faint, Israel dazu zwinc en die Wurzel seines Lebensbaumes, den (Glauben an den einzigen und heiligen Got berbeizuführen. Erinnert uns. ja gerade die S Schebuosfeste, wie gegen Ende des 11. Icchrhnndertes Tausende und Abertausende unserer Glaubensgenossen in tiefen Wasserfluten und versengenden Ieuergluten ihren Tod fanden, weil sie die Wurzel des Lebensbau.mes, den Glauben an den einzigen und heiligen Gott nicht absägen wollten. Doch schweigen wollen wir vom Mittelalter, ums aber sollen wir dazu sagen, wenn hochgebildete Männer des zwanzigsten Jahrhuuderts in Borträgen, die sie vor mächtigsteir Fürsten halten, jene Wurzel als unecht und als eine Pflanzung heidnischen Geistes erklären. Durch Ausgrabungen in Babylon glaubte uian das Judentum begraben zu können. Allein mögen tausende und aber abertausende Säulen ausgegraben und el des „ez-chajim", den Glauben an den tausende Tontüfelchen, mögen tausende und entziffert werden, nirgends wird man die W u r einzigen und heiligen Gott finden. Denn hatte das heidnische Babylon jene heilige Wurzel, den Glauben au den einzigen und heiligen Gott erkannt, dann hätte sich nicht jener unsittliche Kultus daselbst entwickeln können, der seinen Sturz herbeiführen mußte. Dann wäre Babylon ebenso unsterblich geblieben, wie das jüdische Volk, von dem des Spruchdichters Wort gilt „Hier in deiner Thora sind die Wurzeln deiner Kraft". Der Glaube an den einzigen und heiligen Gott ist die Wurzel des Lebensbaumes, der Israel Unsterblichkeit verleiht. - Und mag auch der Einzelne mit frevler Hand in Eharacter - schwäche und Eharacterlosigkeit jene Wurzel zerschneiden, er schneidet nur in sein eigen Ileisch und entwurzelt sich selbst, entfernt sich von dem Lebensbaume, an dem Israel seit Jahrtausenden festgehalten hat und der Israel Unsterblichkeit verleiht bis ans Ende der Zeiten.

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