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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-06-01 · Heft 6 (1.6.1905) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 6 (1.6.1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 - faß es an!" Man mag das Ergebnis des Montefiore'ichen Essans bescheiden nennen, Ulan mag seinem liberalen Judentum Mangel an Schärfe, an dnrchgebildeten formen vorwerfen. Damit wird nichts an der Tatsache geändert, daß hinter dem „liberalen Judentum" eine sachliche Notwendigkeit, ein ernstes Problem steht, das vielleicht doch auch philosophisch tiefer angepackt werden müßte, als es Montenore nach englischer Art getan hat. Zein Verdienst ist es aber, daß er in edlem Eifer das religiöse Problem auch vom Judentum aus und für das Judentum in Fluß zu bringen versucht hat. — Das sind glückliche Zeiten, in denen das geistige Leben des Menschen auch die klassische äußere Form stndet und der Friede des religiösen Gemütes durch den Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht gestört wird. Wir leben heute nicht in einer solchen Zeit: aber sie vorzubereiten ist schon eine erhebende Aufgabe, ist des „Schweißes der Edlen wert". a. u. Israels Lebensbaum. Robe, gehalten am Wocbenfefie von Professor Dr. Adolf Bi ach. Aabbiner und Prediger in B r n r. Meine Andächtigen! Auf den ersten Blättern der heiligen Schrift wird uns erzählt, daß sich im Paradiese ein „ez-chajim", ein Lebensbaum befand, der nach einer Bemerkung unserer Weisen dem Menschen ewiges Leben spenden sollte. Doch ob seines Ungehorsams und seiner leidenschaftlichen Gier wurde der Mensch aus dem Paradiese gejagt. Entschwunden war für immer der „ez-chajim" der Lebensbanm und damit auch das ewige Leben: Sterblichkeit ward nun des Menschen Los. Doch wunderbar, m. A., der Lebensbanm sollte wiederum erstehen und ewiges Leben gewähren, doch nicht mehr einem einzelnen Menschen, sondern einem ganzen Volke, und dieses eine Volk unter allen Nationen des Altertums war Israel, und jener Lebensbanm, der Israel ewiges Leben gewähren sollte, wurde die — Thora, deren Offenbarungsfest wir heute feiern. So oft wir zur Gotteslehre hintreten, preisen wir den Herrn, daß er ilns durch die Thora ewiges Leben eingepflanzt, und so oft wir' die Gotteslehre in die heilige Bnndeslade zurückgestellt, beten wir des Spruchdichters Wort: „Tie Thora bleibt ein Lebensbaum für alle, die au ihr festhatten." So lasset uns m. A. heute am Offenbarungsfeste diesen wunderbaren Lebensbanm, der Israel Unsterblichkeit verleiht, betrachten nach seiner W u r z e l, seinem Stamme -- und seiner K r o n c. Möge diese Betrachtung uns allen zum Segen gereichen.

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