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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-06-01 · Heft 6 (1.6.1905) · p. Seite 128

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 6 (1.6.1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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- 128 — mir au* rein religiösen Gründen. Wer in eine selbständige, religiöse Mission des Judentums nicht mehr glaubt, für den gibt es nach Montefiore keinen Grund gegen Zwischenheiraten. Die heute beliebt gewordenen Gründe der Rasse und „Nationalität" -bekämpft Montefiore aufs Schärfste. ..H it were not for religion. there would not, from my point of view, be the smallest objectiojn to intermarriage. ‘ w the contrarv there would be very much indeed in its favour*. Zum Neuen Testamente verhält sich das liberale Judentum gemäß seiner vorurteilsfreien und historischen Auffassung viel entgegenkommender als das alte Judentum. Freilich die Anschauung, nach der das Alte Testament nur einen Gott der Gerechtigkeit, das Neue einen Gott der Liebe lehrt, hält Montefiore für kindisch und absurd. Es gibt Stellen im Neuen Testament, welche einen Abfall von den höchsten Konzeptionen des Alten Testamentes Zeigen, während andere wieder die Lehren des Alten Testamentes au religiöser Innerlichkeit und geistiger Vertiefung übertressen. Die Persönlichkeit Jesu -- ..a grent and inspired teacher" — hat für das liberale Judentum keine besondere metaphysische Dignität. „Reiner Monotheisnnls, der direkte Zusammenschluß von Mensch und Gott, die direkte Beziehung Gottes zum Menschen, die enge Verbindung der Religion mit der Moral und der Moral mit der Religion^ die eigene Verwendung von Formen und Zeremonien, der Ausschluß von Priestern find sühnenden Stellvertretern" — mit diesen Worten faßt Montefiore alle diejenigen Momente noch einmal zusammen, die im liberalen Judentum zu einer harmonischen! Einheit verbunden sind. Ich habe mich im wesentlichen rein darstellend zu Montefiore verhalten und habe nur versucht, die einzelnen Motive und Tendenzen, welche die Lösung seiner Aufgabe bestimmen, in das Licht zu fetzen. Diese Motive und Tendenzen sind das wertvollste au dem vorliegenden Versuche. Wir erkennen daraus die Schwierigkeiten, mit denen heute eine positive Religion zu ringen hat, wenn sie positiv bleiben und doch den nicht abweisbareu geistigen Forderungen der Neuzeit gerecht werden will. Bor dieses Problem sehen sich auch Katholizismus und Protestantismus gestellt. Jede dieser drei Religionen hak eigentümliche Schwierigkeiten zu überwinden, die in ihren historischen und dogmatischen Voraussetzungen liegen. Cb Montefiore für das liberale Judentum das lösende und erlösende Wort gesprochen hat, muß die Zeit lehren. Mir scheint, daß die rationalen und historischen Motive bei ihm nicht zu einem haltbaren Ausgleich gekommen sind, daß der Gesetzesbegrisi etwas schillernd Unbestimmtes bekommen hat, indem ein höherer und ein niederer Inhalt in ihm durcheinanderlaufen. Sehr-glücklich finde ich hingegen das Zurückgreifen auf den Prophetismus. In diesem sprudelt eine noch längst nicht erschöpfte Kraftquelle für das Judentum und — Christentunt. j In der Religion ist stets die Erneuerung und Weiterbildung von einem Zurückwenden zu der historisch und dogmatisch noch wenig belasteten Vergangenheit ausgegangen. Stets hieß es dabei: „Das alte Wahre,

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