Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Punkten, (fr gibt eine Entstehungsgeschichte De* Pentateuch. Die sich in Den Bahnen der Wellhausen'schen Hypothese bewegt. Anmerkung Der sittlichen (besetze ai* göttlicher Ölebote - mit Dieser Nautischen Wendung ließe sich der bisherige Ztandpnnkt Montefiore's gang gut bezeichnen Aber Mvntesiore kann atts verschiedenen Gründen bei diesem etwas abstrakten Moralismns nicht stehen bleiben. Die Kluft .zwischen dem alten Judentum und dem neuen wäre so groß, daß man kaum noch vom Judentum sprechen könnte. Montefiore strebt daher eine Verständigung mit seinen orthodoxen Brüdern an, er möchte ihnen eine Brücke bauen, auf der sie zu dem liberalen Judentum als zu einer innerlich veredelten und weiterentwickelten Form derselben Religion kommen könnten. Diese Brücke glaubt er in dem Begriff des „Gesetzes" zu finden. Das vom fnpranatnralistifchen Zffenbarungsglauben getragene Gesetz des orthodoxen Judentums hat einen eigentümlichen religiösen Lebenstypus hervorgebildet, dessen Ideal in der Heiligung und Umwandlung des Gebens durch die Religion besteht. In diesem Ideal treffen sich altes und neues Judentum, nur in den Mitteln und Wegen .;a diesem Ideal unterscheiden sie sich. Montefiore möchte das neue Judentum auch eine Religion des „Gesetzes" nennen, freilich nachdem er vorher eine Idealisierung des „Gesetzes" ins rein Ethische vorgenommen hat, wie es vor ihm u. a. Lazarus in seiner „Ethik des Judentums" getan hat. Unser Verfasser geht dann daran, zu zeigen, wie die einzelnen Feste des alten Judentums auch losgelöst von der orthodoxen Dogmatik beibehalten werden können. Do bekommen die einfachen Glaubenssätze des liberalen Judentums historische Znbstanz und damit Farbe und Leben. Zugleich aber entgeht das liberale Judentum dllrch Anknüpfung an die Vergangenheit der Gefahr, die ilifferemia specitiea gegenüber dem besonders in England weit verbreiteten nnitarischcn Theismus zu verlieren. Wir finden hier als treibendes Motiv bei Montefiore jene moderne ästhetische Freude an der Mannigfaltigkeit und Buntheit der historischen Erscheinungen, die wir auch so häufig b?i mehr liberalen Vertretern des Katholizismus bemerken können. Wie ein Dichter nicht alle Leiten und Vorzüge aller anderen Dichter in sich vereinigen kann, so wird auch eine Religion nicht alle Zeiten der religiösen und ethischen Wahrheit umschließen können. „Wäre die Welt nicht reicher, wenn sie viele Arten des unitarischen Glaubens besitzt'? Zoll das liberale Judentum diesen Reichtum vermindern, indem es die älteste dieser Formen aufgibt, jene Form, die ihm durch Geburtsrecht zukommt V" Und noch um eines anderen Umstandes willen tritt Montefiore für die Erhaltung des Judentums als selbständiger Religionsgemeinschaft ein. Er glaubt, daß das Judentum seine Rolle in der Entwickelung des religiösen Bewußtseins noch nicht aus gespielt hat, er ist der Ueberzeugung, daß die religiöse Mission des Judentums noch nicht erfüllt ist. Da das Judentum sich für diese Mission nur erhalten kann, wenn es Zwischenheiraten meidet, so fordert Montefiore einen gewissen Zeparatismus. Aber