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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-06-01 · Heft 6 (1.6.1905) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 6 (1.6.1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 dem Ilmstande hervor, daß 1894 die Plasgow Pniversity Tht'ülogiral Society llllb 1904 die Oxford Theological Society ihn zum Präsidenten gewählt haben. Aber Montefiore ist mehr -als ein Gelehrter, er ist ein homo religiosus. der sein ^ebett in den Dienst einer idealen Aufgabe gestellt hat: der Belebung und Weiterentwickelung der Religion des Judentums. Das vorliegende Essay gewährt uns einen Einblick in eine vornehme, gebildete Seele, der es ernst mit der Religion ist und die Ehrfurcht und Liebe entgegenbringt der bedeutsamen, an Märtyrern so reichen Geschichte des Judentums. Montefiore spricht nicht im Namen einer Organisation, einerautoritären Gewalt, er gibt nur sein persönliches Glaubensbekenntnis, aber er tut es in der richtigen Annahme, daß er damit zugleich das ausspricht, was vielen Tausenden auf der Seele lastet- Er wendet sich nicht an die Philosophen, sondern an das every Pay folk. Was veranlaßte nun Montefiore, mit dem orthodoxen Judentum zu brechen'? Er ist mit diesem aus innerer Wahrhaftigkeit zerfallen. Er findet die Grundbehauptung des orthodoxen Judentums darin, „daß Gott sich ganz eigentlich einem besonderen Volke und nur diesem Volke offenbart hat, daß diese Offenbarung von Zeichen und Wundern begleitet war und daß der Inhalt der Offenbarung enthalten sei in einem Gesetze, das vollkommen, unveränderlich und göttlich ist". Montefiore gesteht ein, daß sich dieses Dogma heute angesichts unserer Geschichts- und Naturauffasiung nicht mehr aufrechterhalten läßt. Auch erkennt er deutlich die verhängnisvollen Folgen des extrem legalistischen Standpunktes und scheut sich richt, der Orthodoxie manch' bittere Wahrheit nach dieser Richtung hin zu sagen. Aber ist mit der Ablehnung der Orthodoxie nicht das Judentum abgetan'? Das behaupten in merkwürdiger Uebereinstimntung ihre Vertreter und der liberale Protestantismus — freilich ans ganz verschiedenen Gründen. Das alte Judentum, weil ihm mit jenen: Dogma der eigentliche Kern feiner Religion aufgehoben zu fein scheint, der liberale Protestantismus, weil er die Grenzveruüschung zwischen sich und dem nicht legalistischen Judentum fürchtet. In vielen Werken der modernen protestantischen Theologie hört ja bei der Schilderung der Entstehung des Christentums aus den: Judentum die historische Besonnenheit und Gerechtigkeit auf: man kann das Judentum nicht dunkel und trübe genug zeichnen, damit sich um so blendender die Lichtgestalt des Christentums dagegen abheben kann. Schon Montesquieu hat in seinen Lettres Peisanes die treffende Bemerkung gemacht: ..eu fait de religion les plus proches sont les plus grandes ennemies. *. Gegenüber der Orthodoxie und dem liberalen Protestantismus greift Montefiore auf den Prophetismus zurück, in dessen Lehre von dem einen heiligen Gotte, der nur in der Verwirklichung der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe verehrt wird, er den wesentlichen Bestandteil des Judentums erblickt. Das Gesetz und die durch dasselbe entstandene rabbinische Literatur betrachtet Montefiore nur unter historischen Gesichts-

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