Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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125 handelt, die Gegensätze am meisten hervortreten. Deshalb tut auch gerade hier eine erschöpfende und allseitige Aussprache dringend not. Die Schwierigkeiten, auf welche die beabsichtigte Bildung von Bezirksrabbinaten gestoßen ist, geben zu denken. Sie mahnen zur Vorsicht auf einem Gebiete, auf welchem gar zu leicht Mißhelligkeiten zwischen den berufenen Vertretern des Judentums, zwischen Rabbinern und Lehrern, entstehen können. Mögen die Frankfurter Verhandlungen auch hier eine Klärung herbeiführen! So hat der diesjährige Gemeindetag wichtige und bedeutsame Fragen zu erörtern. Wir hegen den Wunsch, daß die Versammlung, die am 12. und 13. Juni in der alten Hansastadt tagt, in ruhiger Sachlichkeit verhandelnd, Beschlüsse fassen möge von weittragender, segensreicher Bedeutung für die deutsche Judenheit! Das walte Gott! Frankfurts. Main Die Redaktion der „Monatsblätter". ->-4—;—- Claude <£. Aßontcfiore’a „Liberaler Judentum“. Der Begriff „Liberales Judentum" hat bei religiösen Gemütern keinen guten Klang. Religiöse Indifferenz, pietätloses Verwerfen aller von der Vergangenheit überkommenen und durch die Jahrtausende geheiligten Formen, opportunes Sich-anbequemen an die herrschenden Zeitläufe — das sind wohl einige der Hauptvorwürfe, die man dem liberalen Judentum macht. Wie weit diese Vorwürfe einzelne Vertreter des liberalen Judentums treffen, gehört nicht hierher. Es beweist aber nichts gegen eine geistige Richtung, wenn man ihr die Motive vorhält, durch welche hie und da Anhänger zu ihr gelockt werden. Wohin käme man dabei z. B. bei der Beurteilung des entstehenden Christentums oder der Ausbreitung der Reformation. Man muß vielmehr fragen: Steckt in dem Begriff „Liberales Judentum" eine sachliche Notwendigkeit, die Forderung einer neuen, weltgeschichtlichen Lage und damit ein ernstes und. ernst zu nehmendes Problem? In diesem Sinne hat C. G. Montesiore zur Frage des liberalen Judentums das Wort ergriffen: und dies Wort verdient auch gehört zu werden. Claude G. Montesiore hat vor nicht langer Zeit ein Büchlein herausgegeben unter dem Titel: liberal Judaism. An Essay. Ich wüßte in der Gegenwart niemanden, der berechtigter wäre, das liberale Judentum literarisch zu vertreten. Montesiore ist der Herausgeber der .Aewish Quarterly Review-, einer führenden Bierteljahrsschrift der jüdischen Theologie auf englischem Boden. Wie sehr man auch in christlichen Kreisen seine Hibbert Lectures (Origin and development o! tbe Religion ot the ancient Hebrews und seine Jewish Bible for Home Keading schätzt, geht schon aus