Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Verfügung steht, als bei der vorigen Tagung. Damals, am 23. Februar 1902, mußten sämtliche zur Erörterung vorgesehenen Gegenstände an einem Tage erledigt werden, weil der 24. Februar für den II. Verbandstag der Provinzialverbände reserviert war. Infolgedessen konnte man denn auch den vorliegenden Verhandlungsstoff nicht vollständig erledigen; der außerordentlich wichtige Punkt 5: „Durchführung des israelitischen Religionsunterrichtes an dev höheren Lehranstalten Deutschlands" mußte von der Tagesordnung abgesetzt werden. Aber auch selbst bei den Punkten, die erörtert wurden, konnte mit Rücksicht auf den Mangel an Zeit die Aussprache der Delegierten nicht in der Weise erfolgen, wie es im Interesse der Klärung der Ansichten wünschenswert gewesen wäre. Wir sind überhaupt der Meinung, daß der eigentliche Segen der Bundesversammlungen vornehmlich in dem Gedankenaustausch liegt, der bei solchen Anlässen zwischen den maßgebenden Führern der jüdischen Gemeinden Deutschlands stattfindet und ihre Erfahrungen auf dem Gebiete der sozialen und religiösen Liebestätigkeit ebenso wie auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung wechselseitig ergänzt. Es muß deshalb mit besonderer Freude begrüßt werden, daß durch die diesjährige Veranstaltung den einzelnen Punkten der Tagesordnung mehr Zeit gewidmet werden und demgemäß auch eine erschöpfendere Aussprache über sie erfolgen kann. Die zur Erörterung kommenden Punkte umfassen neben Verwaltungsangelegenheiten vornehmlich religiöse, soziale und wissenschaftliche Fragen. Zu den Verwaltungsangelegenheiten gehört unter anderem auch eine Statutenänderung, die indessen rein formeller Natur ist und deshalb kaum Anlaß zur Debatte geben wird. Auch in Bezug auf den die jüdische Wissenschaft berührenden Teil der Tagesordnung dürften kaum Meinungsverschiedenheiten hervortreten. Denn die Bedeutung, welche die Gründung eines Gesamtarchivs der deutschen Juden für die Forschungen auf dem Gebiete der Kulturgeschichte besitzt, leuchtet ohne weiteres ein, so daß darüber ebensowenig eine ausgedehnte Debatte entstehen wird, wie Liber die Verwendung der Zunzstiftung des D. I. G. B., die ebenfalls in das Gebiet der Förderung der jüdischen Wissenschaft gehört. Von hervorragender Bedeutung ist unter den sozialen Fragen, die auf dem X. Gemeindetag zur Verhandlung kommen, die Bekämpfung der Wanderbettelei und die Errichtung von Arbeitsstätten. Schon im Jahre 1902 sind diese Punkte eingehend besprochen worden; damals wurde der Beschluß gefaßt, durch Einrichtung von mit Arbeitsstätten und Arbeitsnachweisen verbundenen Hauptstationen an den Grenzen Deutschlands den Wanderbettel zu bekämpfen. Wie wir aus dem Bericht des D. I. G. B. ersehen, ist es leider nicht gelungen, diese Anträge zu verwirklichen. Hoffentlich gelingt es diesmal, bei der Erörterung der so außerordentlich wichtigen Angelegenheit einen Weg zu finden, auf dem einem anerkannt großen Notstände abgeholfen werden kann. Den breitesten Raum in den Verhandlungen werden voraussichtlich die religiösen Fragen: Religionsunterricht und Bezirksrabbinate einnehmen. Hier werden auch, insbesondere soweit es sich um die Inspektion des Religionsunterrichtes