Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2970014-2970020--7619-2978306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
117 nismus, der nach der Emanzipation der Juden immer schwächer wurde, erhielt neues Leben durch den Antisemitismus, aber er wurde durch ihn nicht nur neu belebt, sondern er erhielt von ihm auch ein anderes Gewand. Aus dem rein religiösen wurde der politische Zionismus. Redner weist aus Piusker hin, der die Ansicht vertrat, daß nur durch nationale Befreiung eine Besserung in den Verhältnissen der Juden herbeigeführt werden könne, daß man aktiv Vorgehen müsse. Damit tritt der politische Zionismus in bewußtem Gegensatz zum religiösen, weil der letztere die Erreichung seines Zieles allein dem Walten der Vorsehung überläßt. Ter politische Zionismus mißt zunächst den religiösen Gebräuchen nur sekundäre Bedeutung bei. Das Ziel ist zwar hier wie dort dasselbe: Die Rückkehr nach Palästina. Rur die Wege sind verschieden. Hier untätiges Gottvertrauen, dort kraftvolle Selbsttätigkeit und nationales Empfinden. Redner zollt den Zionisten unbedingte Hochachtung wegen ihres Idealismus und ihres edlen Selbstgefühls: aber es sei ein anderes, eine Sache zu schätzen, als sich mit ihr zu identifizieren. Er beleuchtet dann zunächst die Unmöglichkeit der Erreichung der Absichten des Zionismus. Schon die Gegensätzlichkeit in den Weltanschauungen z. B. zwischen den russischen und deutschen Juden würde zu lluträglichkeiteu führen, zumal die Russen in der Mehrzahl sind und die übrigen Juden majorisieren würden. Dazu kommt, daß die Großmächte die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina nie nrals gestatten werden. Das haben die Zionisten auch selbst schon eingesehen, und deshalb haben ihre Ziele inzwischen eine bedeutende Modifikation erfahren. Nunmehr geht der Vortragende — und darin liegt die Krone seiner Ausführungen — auf die Frage der Rationalität ein. Man geht von falschen Voraussetzungen aus, wenn man von einer jüdischen Nation spricht. Tie Juden bilden nur noch eine Religionsgemeinschaft, als Volk, als nationale Gemeinschaft haben sie aufgehört. Redner bestreitet die Abhängig feit der Nationalität von der Einheit des Glaubens. Wir gehören zu dem Volke, in dessen Mitte wir geboren sind, dessen Sprache wir sprechen, dessen Geschick nur teilen und an dessen Geistesleben wir Anteil nehmen. Tie Zionisten begehen den Fehler, den Anschauungen der Antisemiten, die immer von Rassen:einhcit reden, zu sehr Bedeutung beizumessen. Kein Volksstamm hat sich bis heute völlig rein erhalten, haben sich doch z. B. die Preußen besonders im Osten sehr stark mit anderen Stämmen »Kaschübeu, Slaven, Wenden, Litauern» vermischt. Redner schließt mit den Worten: Dem Idealismus der Zionisten unsere Hochachtung, ~~ ihrem Wohlrätigkeitssinn unsere Unterstützung, ihren nationalen Bestrebungen unser erbitterter Kampf. — Ter Professor für christliche Archäologie an der Berliner Universität Tr. Nikolaus Müller ist mit der genauen Untersuchung und der Publikation der jüdischen Katakomben betraut worden, die man vor einigen Wochen an den Hügeln von Mouteverde nahe bei der italienischen Eisenbahnstation Trastevere wiedergefunden hat. Tiefe Katakomben liegen unter einem „Colle Rofaro" genannten Weinberg und hier wurde jetzt ein Eingang entdeckt. Ter siebenarmige Leuchter, der vielfach angebracht ist, spricht dafür, daß Mitglieder der jüdischen