Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Raschi und Maimonides! Wo sollte ich beginnen und wo aufhören?! In der Schilderung, in der Skizzierung ihres Gebens, ihre« gottbegnadeten, zlim Teil von der sage golden verklärten Gebens und ihres nicht minder gottbegnadeten PZirkens? Daß Ihr Euch davon eine Vorstellung machen konntet eine wenn auch noch so blasse Vorstellung. Nicht zuletzt auch von dem unvergleichlich nachhaltigen Einfluß, den sie aus das Judentum — teilweise auch aus nichtjüdische wissenschaftliche Kreise — geübt, und von der hohen, schwärmerischen Verehrung und Bewunderung, die ihnen im Judentum allzeit dargebracht wurde. Laßt mich Euch darum nur an zwei auf sie gemünzte schwerwiegende geflügelte Worte erinnern. Ta« eine lautet wie folgt: „Vom ersten Moses bis auf Mose« Maimonides gab es weiter keinen Moses". Und laut dem andern würde Raschi sein Werk niemal« so haben vollbringen können, wenn der „heilige Geist" selber, der „Rnach hatodesch", ihm dabei nicht zu Hülfe gekommen, wäre. Doch gilt, meiner Ansicht nach, letzteres ganz eben so auch von dem Maimonides'. . . Wie sich denn Beide überhaupt gegenseitig wunderbar ergänzen. So daß noch heute, ja heute mehr denn je, Keiner das Judentum, das geschichtliche Judentum zumal, voll zu begreifen, noch weniger aber das Judentum zu lehren vermag, zu lehren es wagen darf, der nicht ein Schüler Beider war und ist. Hub nun noch eins. Von demselben „Bezalel, Sohn llris, Sohnes Churs, vom Stamme Juda", eben so wie von seinem Genossen „Oholiab, Sohn Achisamachs, vom Stamme Dan", sagt die Schrift auch: „Und -zu lehren gab er «Gott» ihm ins Herz" (Exod. 35, 341. Also nicht blos: „Und ich erfüllte ihn mit göttlichem Geiste" »ebendas. 31,3 >, sondern auch: Und zu lehren gab ich ihm ein Herz, wie wir das Wort ja auch gleich wiedergeben können. s)lm\ denn, ein Gleiches kann, ja muß auch von unseren beiden großen Moses-Schülern, von unseren beiden hohen Lehrern: Raschi und Maimonides ausgesagt werden. Tenn niemals wären sie das geworden, was sie sind, wenn ihnen Gott zugleich nicht auch ein Herz, ein großes und heiliges Herz — für alles Große und Heilige — für das Judentum und für die Menschheit und für jede Art edler Menschlichkeit - gegeben hätte, geschenkt hätte. Ein Herz voll Begeisterung für das Göttliche und voll Hingabe an ein großes Werk — rein nur um des Werkes willen. M. A..' Jeieru wir, ehren auch wir unserseits darum ihr hehres Andenken, imb zwar nicht blos heute, wo wir im Geiste unseren bescheidenen Kranz auf ihre fernen Gräber niederlegeu, sondern auch in Zukunft und auch sonst — in Dankbarkeit nur in Nachahmung, so weit es einem Jeden von uns irgendwie gegönnt sein kann!