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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-05-01 · Heft 5 (1.5.1905) · p. Seite 113

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 5 (1.5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
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Lin« Stimme aus der jüdischen arbeitenden •Waffe in Frankfurt a. ßti. „Und wir sind verbannt ans unserem Lande, und entfernt von unserem Boden, und nur können nicht Heraufziehen und erscheinen, und uns bücken vor Dir, können nicht angilben unsere gottesdienstlichen Pflichten in Deinein erwählten Hanse, dem erhabenen und heiligen Hanse, darüber Dein Name genannt ist!" Als ich über diese trostlosen Worte, die das klagende Israel emporrnfr zu seinem Gotte, und die wir am Labbathe zwischen den Mittelfeiertagen anssprechen, nachdachte, da kam eine unendliche Traurigkeit über mich. Ja, wir können nicht ansnben unsere gottesdienstlichen Pflichten in Deinem Hanfe! Wir möchten uns blicken vor Dir, o Ewiger, aber wir können e* nicht, denn mau gibt uns keinen lvahren Zabbath: der ^abbath, der werktägige, ist nicht für uns: an dem Tage aber, wo wir Labbath halten dürfen, sind die Pforten Deines Hauses, o Ewiger, geschlossen. Ich schreibe ein paar Worte im Namen der ganzen jungen, jüdischen, arbeitenden blasse. Wir haben einen Berns, der uns zwingt, am Zonnabend zu arbeiten: unser Nnhetag ist einzig der Sonntag. Wir möchten festhatten an unserem hohen Bäterglanben, wir stehen in der Iremde. der Heimat, dem Etternhause ferne, wir suchen unseren moralischen Halt in der Religion, in unserem jüdischen Gottesglauben, Gottesdienste: ihn aber nimmt man uns. Wir leben in einer Zeit, wo das Judentum im Abnehmen begriffen ist: der heilige Glaube wird schwinden, immer mehr und mehr. Und weshalb, warum'? Woher der große Übertritt zu anderen Religionen? Weit der Jude seilten Glauben nicht kennt! Uni ein Jude zu sein, muß man die Schönheit, die lautere Wahrheit unserer Religion kennen und erfassen! llnd um ihn kennen zn lernen, dafür soll der Gottesdienst sein! Wenn ich, zerfallen mit mir selbst, trostlos lind des Lebens müde, Irieden suche bei meinem Gotte, lvo könnte ich dann einen besseren Trost finden, als in einem erhebenden Gottesdienste, den ich verlasse mit dem Gefühl: Hier ist die starke Wurzel Deiner Kraft, hier gehörst Du hili, bist Dll Menich: hier findest Dll Ruhe und moralischen Halt! Und muß denn nicht selbst dem geguältesten Menschen das Herz ansgehen bei unserem herrlichen Gottesdienst mit seinen einzigen Gesängen, bei einem Eol-nidre, bei einer Keduschoh? Und dieses Glückes läßt inan llns nicht teilhaftig lverden. Man hat wohl einen Gottesdienst: ihm aber können nur die wenigen jungen Leute, die in streng jüdischen Geschäften tätig sind, oder, die keinen Berns haben, beiwohnen: lvie viele junge Kauf-

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