Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 der Lehrer nicht v o m G e i st t i ch e n a b h ä n g i g i st." So spricht ein Pfarrer, der selber Kreisschulinspektor ist und, wie ich von beteiligter Seite erfahren habe, in den Lehrerkreisen seines Amtsbezirkes ungewöhnliche Sympathien genießt. Nicht minder absprechend tautet das Urteil der rheinischen Synoden über die geistliche Schnlinspektion; *27 nute r 30 I p n o d e n h a b e n sie prinzipiell v e r w orfen: und auch das Presbyterium der evangelischen Kirchengcmeinden zit Dortmund hat im Oktober des verflossenen Jahres an das Konsistorium und die Regierung eine Eingabe gegen die Übertragung der Schulaufsicht an Geistliche gerichtet. Besonders charakteristisch ist in der Begründung dieser Eingabe der Satz : Wir wünschen „i m Interesse des friedlichen Z u s a m in e n w i t kens von K i r ch e und Schute die A b l e h n u n g der geistlichen O r t s s ch u l i n s p e k t i o n." Ich meine, wenn in solcher Weise nicht etwa Lehrer sondern die berufenen Vertreter der evangelischen Kirche, darunter anerkannt hervorragende Persönlichkeiten, die geistliche Schulaufsicht verwerfen, dann können wir über eine derartige Stellungnahme nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern dann ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, sie mit ruhiger Unbefangenheit zu prüfen. Männer wie Hackenberg sprechen aus einer langjährigen, reichen Erfahrung heraus, und ihre Worte sind uns eine ernste Mahnung, daß wir, durch die evangelische Kirche und Schute gewarnt, uns vor den Fehlern hüten, die dort begangen wurden. Das oben angeführte Wort Hackenbergs: „Das Verhältnis zwischen dem Lehrer und dem Geistlichen wird ein besseres sein, wenn der Lehrer nicht vom Geistlichen abhängig ist" gilt ganz gewiß auch uns, den j ü d i s ch e n Geistlichen und den jüdischen Lehrern. Endlich spricht aber gegen den Einfluß, den die Synagoge durch Bezirksrabbinate auf die Schule gewinnen will, noch ein ganz besonderer Umstand, der für die christliche Kirche überhaupt nicht in Betracht kommt -..die B e r b i n d u n g d e s Schächterdienste s mit d e in L e h r a m t e. Schon auf dem Gemeindetage des westfälischen Verbandes in Unna habe ich auf die beachtenstverte Tatsache Hingelviesen, daß in denjenigen preußischen Landesteilen, in lvelchen Bezirksrabbinate bestehen, Lehramt und Schächterdienst besonders häufig miteinander verbunden sind. Nach dem statistischen Jahrbuch des D. I. G. B. versehen in der Provinz Hannover 30 Lehrer zugleich das Amt eines Schochet, im Regierungsbezirk Kassel 3.7, im Regierungsbezirk Wiesbaden 23 Lehrer, w ä h r e n d i n d e n 40 G e m eind e n d e s w e st f ä l i s ch e n V e r b a n d e s die un w ü r d i g e V e reinig u n g v o n S ch ä ch t - u n d L e h r amt prinzipiell vermieden ist. Ich dächte, diese Zahlen reden eine deutliche Sprache: sie erbringen beit unwiderleglichen Beweis, daß die Be.strksrabbiner generell das Bestreben Halen, den Lehrern das Schächtamt zu übertragen. Ein solches Verhalten aber ist im Interesse der sozialen Stellung des jüdischen Lehrers aufs tiefste zu bedauern. Nun wird ja allerdings behauptet, das Schächtamt würdige den Lehrer keineswegs herab: sogar von christlichen Gelehrten werde anerkannt, daß „d e r S ch ä ch t a k t g e w i fse r m a s s e n den Ni m bu s einer p r ie ster li ch en Ha n d l un g er h ä l t." Dieser Be-