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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-05-01 · Heft 5 (1.5.1905) · p. Seite 107

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 5 (1.5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 unb Kreisschulinfpektion bei beit (5hristen hinzuweisen, die noch in vielen Bezirken Preußens besteht, abgesehen von den mittleren und großen Städten, welche prinzipiejll damit aufgeräumt haben. Tatsächlich sind denn auch in den neupreußischen Provinzen Hannover und Hessen-Nassau die Bezirksbezw. Provinzialrabbiner zugleich Inspektoren über die jüdischen Schulen, entsprechend der aus der Periode der früheren Selbständigkeit dieser Landesreile übernommenen Gesetzgebung. Und auch in den süddeutsche! Staaten scheint derselbe Modus zu gelten. Ich schließe das aus den diesbezüglichen Angaben im statistischen Jahrbuch des D. I. G. B., das zudem bei dem Grr ßherzogtum Baden ausdrücklich hervorhebt: „In jedem Rabbinatsbezirke finden unter Vorsitz des Rabbiners amtliche Lehrerkonferenzen statt." Es ist demnach in den Landesteiten, welche staatlich anerkannte Bezirksrabbinate besitzen, die Herrschaft der Synagoge über die Schute gesichert, und nicht selten werden uns Norddeutschen diese Berhältuisse geradezu als lnustergültig und auch für uns erstrebenswert bezeichnet. Und doch müssen wir jeden Versuch, durch die Bezirksrabbinate die geistliche Schul lnspektion bei uns einzuführen, mit aller Entschiedenheit bekämpfen: denn w i r e r ) l i ck e n in der geistlichen Schulaufsicht eine drohende Gefahr für die freiheitliche Entwicklung auch der jüdischen Schute. Was wir als liberale Bürger für die allgemeine Volksschule unbedingt fordern, das müssen wir als liberale Juden auch für die jüdische Volksschule verlangen: fachmännische Inspektion, die losgelöst: ist von dem Einfluß der Kirche. Wer als Jude fir die jüdische Schule erstrebt, was er als Bürger für die allgemeine schule verwirft, der macht sich einer schweren Inkonsequenz schuldig und erweckt bei anderen den Verdacht, als ob er für die jüdische Gemeinschaft ein Sonderrecht leanspruche. Daß übrigens auch die m a ß g e b e n d e n N r e i s e der e v a n g e l i s ch e n K i r ch e, darunter Geistliche, die selber S ch u l i n s p e k t o r e n waren oder sind, die geistliche Schulaufsicht prinzipiell verwerfen, muß hier als besonders beachtenswert hei vorgehoben werden. Es sind goldene Worte, die der D o k t o r d e r T h e o l o g i e und Königliche K r e i s s ch u l i n s p e k t o r, Landtagsabgeordneter Pfarre r Hacke iberg aus Hottenbach, einer der bedeutendsten Führer der nationalliberalen Partei, am 22. Februar d. I. unter der lebhaften Zustimmung der linken Seite des Hauses im preußischen Abgeordnetenhause gesprochen hat: „Meine politischen Freunde sind der Ansicht, daß sie es für die Schule förderlicher halten, wenn die geistliche Aufsicht ü b e r k u r z oder lang fallen w ü r d e. Damit stellen wir uns nicht in einen Gegensatz zu der Kirche, sondern wir in e i n e n, daß damit d e r S ch u l e und der K i r ch e a m b e st eit gedient rv i rd. B o m S t a n d p u nck t de r coniii' elischen K irche m u ß m a n sagen, daß d i e g e i st l i ch e S ch u l a u f - sicht (ine veraltete und z w e ck l o s e E iurichtu ng ist. Das Berhä ltnis z!vischen dem L e h r e r und dem G e i st l i ch e n w i r d ein besseres sein, wenn

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