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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-05-01 · Heft 5 (1.5.1905) · p. Seite 103

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 5 (1.5.1905)
Date
1905-05-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 geschehen, )aß man es vollständig der freien Entseblleßnng der betreffenden Gemeinden überläßt, N'elchem Rabbiner sie ohne Rücksicht ans Die örtliche Entfernung des Rabbinatssitzes, ihren c hrpl ä Üciut faitit durch eine unterricht Verfügung eigenen religiösen ^tandplinkt entsprechend, die Überwachung ihrer Kultus einrichtung^n übertragen wollen. Ein erfolgreicher Versuch ist nach dieser Richtung hin im Großherzogtum Hessen bereits gemacht worden. Als zweite Aufgabe der Bezirksrabbiuer bezeichnet der Beschluß des IX. Gemeinde tages die , H e b u n g des Religionsunterricht e s". Dieies Ziel soll durch eine regelmäßig: Inspektion des Unterrichtes seitens der Rabbiner erreicht werden. Ich bin jedoch der Meinung, daß der Inspektion erst die allgemeine Einführung von icn vorangchcn muß. Inspektion ohne bestimmte Lehrpläne ist ein Widersinn, man allerdings darauf Hinweisen, daß der D. I. G. B. bereits vor Jahren Kommission von Schulmännern einheitliche Lehrpläne für den Religionshat ansarbeiten lassen, die sämtlichen Lehrern in den Bundesgemeinden zur gestellt wurden. Diese Tatsache ist richtig, aber ebenso richtig ist die andere atsache, dlaß die betreffenden Pläne nirgends eingeführt worden sind. Und sie könn-en a n ch g a r n i cht a l l g e m e i n z lt v Eins ü li r u n g g e l a n gen, weil sie der Srthodot'ie und der Reform genügen wollen. Das ist nun einmal nicht möglich. Der Religionsunterricht in einer jüdischen Volksschule, die irrllGeiste des verstorbenen S. R. Hirsch geleitet wird. kann nich: derselbe sein une der Unterricht an der Schule einer freisinnigen Gemeinde. Was man billigerweise verlangen muß, das ist die Herausgabe zweier Lehrpläne für die beiden religiösen Richtungen innerhalb des Judentums. Daß die Richtbeachtnng dieser Forderung nur zm Mißerfolgen führt, beweist auf dem Gebiete des höheren Schulwesens das neuerdings von dem Augsburger Distriktsrabbiner I>r. Groß herausgegebeue Religionsbuch für die oberen Klassen der Gwnnasieu, das wegen seines Bestrebens allen Anschauungelt zu genügen, mit Recht als verfehlt bezeichnet wird. Abe: die Schwierigkeit betreffs der Lehrpläne ist nicht die einzige; bei der a u s schließ - lichen Übertragung der Inspektion des Religionsunterrichtes au die Bezirksrabbiuer macht auch die andere Schwierigkeit sich geltend, die ich bereits oben hervorgehobelt hatte: die Gefahr des Gewissenszwanges, der seitens des Rabbiners auf die ihm im erstellten Lehrer aus geübt wird, sofern deren religio s e Ü b e r z e u g u lt g von der seinigen abweicht. Und dieser Fall muß überall dort eintreten, lvo die B e zirksrabbi n a t e r e i lt g e o g r a p h i s ch a b g e t e i t t w e r d e li. I n eine nt s o t ch e n! F a l l e gestaltet si ch d i e I n s p e k t i o n d e s U n t e r r i ch t s f a ft i ln m e r z lt einer Inspektion d e r G e s i n n n u g des Le h r e r s : sie artet, wie ich bereits anf dem westfälischen Gellleindetage in Unna hervorgehoben habe, gar leicht in Gesinnnngsriecherei ans. Das läßt sich sogar dann nicht verlneiden, wenn mai: bei beit Beteiligten selbst das beste Wollen vorausseyen darf. Denlt der koniervativl denkende Bezirksrabbiuer ivird in dem Religionsunterricht des freisinniger aitgelegten Lehrers stets eine drohende Gefahr für die religiöse Erziehung der Jugend

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