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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-04-01 · Heft 4 (1.4.1905) · p. Seite 97

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 4 (1.4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 97 (sequence 25)
Language
German
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97 Ausweisen soll, hat Delitzsch -ein Fehlgriff getan. Er wird mit dieser auf schwachen Gründen ruhenden Hypothese, da Jesus selbst nach Matth. 10,5 den Ausspruch getan: Gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte, mir Cbamberlain vereinzelt dastehen und nie und nimmer wird es ihm gelingen den Semitismus, der dem Christentum überall anhaftet, aus demselben auszuschalten. Wir verweisen mit Bezug hierauf auf die 1905 in Halle a. S.! Gebauer - Schwetschke Verlag, erschienene Schrift: Welche Religion hatten die Juden als Jesus auftrat? von Lizentiat G. Hollmann (S. 2) „Gegenüber a l l e n B e st r e b u n gen ihn «Jesum > zumArier zu machen, bleibt es Tatsache, daß es nur vom Iudentum aus zu erfassen i st. Hier w u r z e l t seine Weltanschauung und e r st von diesem Untergründe hebt sich die ganze gewaltige Ursprünglichkeit seiner sittlich religiösen Persönlichkeit ab. Als sehr wertvoll erweisen sich die vergleichenden Studien über die Psalmliteratur und die Mitteilungen über die Ethik und Religion der Babylonier. Doch verlieren die Psalmen dadurch nichts an ihrem Werte, in welchen die erhabendsten Gedanken über Gott und Menschen in einer unvergleichlich schönen, abgeklärten Form zu Ausdruck gelangen. Wenn wir auch einerseits gerne anerkennend hervorheben, daß Delitzsch manche interessante Parallelen mitteilt, so z. B. zu Threni 4,20, wo der Gesalbte Gottes „Unser Lebensodem" genannt wird, wie in den Amarnabriefen auch oder im Bezug auf den von den Propheten bekämpften Opferdienst „Täglich bete zu deinem Gotte — Reinheit der Rede ist das würdigste Räucheropfer", und daß er auf diesem Gebiete noch viele wertvolle Entdeckungen zu machen berufen ist, so müssen wir andererseits unser Bedauern darüber ausdrücken, daß Delitzsch den Gerad der Objektivität nicht besitzt, den wir vor allererst von einem Gelehrten seines Ranges fordern müssen. So schreibt Delitzsch l Seite 20): Was aber die Tugend der Nächstenliebe des Erbarmens gegen den Mitmenschen betrifft, so wird niemand dem Volke Israel die Erhabenheit seines Sittengesetzes „Liebe deinen Nächsten als dich selbst" bestreiten, trotz dessen unleugbaren Beschränkung auf die Angehörigen des eigenen Volkes. (Lev. 118). Hier verschweigt Delitzsch die Stelle: Lev. 19,33 u. 34 „Und wenn sich ein Fremder bei dir aufhält in euerem Lande, so sollt ihr ihn nicht bedrücken. Wie ein Landeseiugeboreuer aus euerer Mitte soll euch der Fremde gelten, der sich bei euch aufhält und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid Fremdlinge gewesen in Ägypten." Wir können doch nicht annehmen, daß Delitzsch diesen Satz nicht kennt, vielmehr liegt hier eine absichtliche Verschweigung einer Bibelstelle vor, die die alttestamentliche Nächstenliebe in die richtige Beleuchtung bringt. Hier hätte übrigens der Sohn von dem großen Vater Franz Delitzsch lernen können, der nichts wissen will von einer Beschränkung der im alten Testamente vorgeschriebenen Nächstenliebe auf die Angehörigen des eigenen Volkes und die lehrreichen Worte niederschrieb: Wie Licht uitb Strahlung, so sind Gottesliebe und Nächstenliebe im Wesen und Grunde Eines, sie sind eins in dem Herren unserm Gotte, den: Gott Israels, der ein einiger Gott ist. Diese Verknüpfung der zwei Grundgebote (Gottes- und Nächstenliebe, ist im Geiste des alttestamentlichen Gesetzes. Zu Seite 47, er < Jesus) trat den Mißbräuchen der Iabbatheiligung entgegen mit dem kühnen Spruch, daß der Sabbat um des Menschen willen da sei, nicht umgekehrt, wäre bervorzuhebeu gewesen, daß es sich hier nur um die An-

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