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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-04-01 · Heft 4 (1.4.1905) · p. Seite 89

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 4 (1.4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 89 (sequence 17)
Language
German
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89 Am Morgen bestätigte sich diese leichte Weissagung. Sie war damals 15 Jahre alt. — Der angebliche Geist soll ihr auch ihre künftige Verheiratung mit dem Propheten angekündigt haben, und deshalb, heißt es, habe ihr Bruder sie nach Egypten gesandt, wo sie nach ihrem angeblichen Bräutigam fragte, den aber Niemand daselbst kannte, bis er selbst kam und sie abholte. Doch soll er auch sie nicht berührt haben." Endlich trat Sabbatai öffentlich als Messias aus. predigte in Jerusalem, er sei gekommen, die Juden zu erlösen und alle Prophezeiungen in Betreff des Messias zu erfüllen. Dieses schamlose Treiben Sabbatai's erregte im hohen Maße den Zorn der- Rabbinen Jerusalems, die ihn und seine Anhänger verfolgten. Infolge dessen fand es Sabbatai für angemessen, Jerusalem zu verlassen und in die Heimat znrnckzukehren. In Smyrna angelangt, wurde er im Triumph empfangen und die fanatisierte Menge rief begeistert aus: „Es lebe unser König, der Messias." Er wurde vom Volke abgöttisch verehrt und niemand durste es wagen, seine Messianität in Zweifel zu ziehen, viel weniger sie als Schwindel zu bezeichnen. Ter greise Gelehrte Aron de lc Papa, der den Mut hatte Sabbatai als Schwärmer und Betrüger zu brandmarken und gegen ihn den Bann zu schleudern, wurde gezwungen, Smyrna zu verlassen. Ebenso wurde der reichbegüterte, seiner Wohltätigkeit und Herzeusgüte wegen allgemein geachtete Ehajim Pesia moralisch gezwungen, Sabbatai als den von Gott gesandten Messias anzuerkennen und ihm alle möglichen Ehren zu bezeigen, obwohl er in seinem Innern von dem thörichten betrügerischen Treiben des Schwärmers fest überzeugt war. Diese Ereignisse verfehlten nicht, auch außerhalb Smyrna's Sensation zu erregen. Propheten, die plötzlich in Verzückungen gerieten, wurden nach allen Richtungen entsendet uni für den wundertätigen Messias Propaganda zu machen und alle Welt für die im Jahre 1666 stattfindende Erlösung vorzubereiten. Selbst auf den Hauptbörsen Europas wurde vom Sabbatai Zebi mit besonderer Hochachtung und Verehrung gesprochen. Aus vielen Gegenden erschienen massenhaft Abgeordnete mit Geschenken, deren Zahl so groß war, daß Sabbatai anordnete, täglich nur höchstensvorzulassen. Manche mußten wochenlang in Smyrna verweilen, ehe es ihnen gelang, von oem „heiligen Messias" in Audienz empfangen zu werden. In den Synagogen ward, so oft dort Gottesdienst starrgefunden, ein Psalm für diesen Messias abgesungen und statt des Sultans war er im Sabbatgebete gesegnet. „Wenn Sabbatai bis dahin noch nicht an sich und seine Würde fest geglaubt hätte, bemerkte Graetz, so hätte diese Huldigung von fast der ganzen Judcnheit in ihm den Glauben an sich erwecken müssen. Täglich liefen Nachrichten, Sendboten und Deputationen ein, die ihn in der schmeichelhaftesten Wendung als König der Juden begrüßten, ihm Hab und Leben zur Verfügung stellten und ihn mit Geschenken überhäuften. Wäre er ein Mann von festem Plane und von Willenskraft gewesen, so hätte er mit diesem ungeheuchelten Enthusiasmus und dieser opferwilligen Hingebung seiner Gläubigen doch etwas erzielen können. Faßte doch bereits Spinoza die Möglichkeit ins Auge, daß die Juden bei dieser günstigen Gelegenheit und der Veränderlichkeit der menschlichen Dinge, ihr Reich wieder aufrichten und von Gott wieder erwählt werden könnten. Allein Sabbatai Zebi hatte an dem Kitzel des Weihrauches Genüge, er dachte an nichts Großes, oder vielmehr er lebte des Wahnes, daß sich die Erwartungen von selbst durch ein Wunder erfüllen werden." iGesch. 10 S. 229.,

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