Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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R8 werde." Er nannte sich ein Sohn . Davids und war vermessen genug, den vierbuchstäbigen Gottesnamen 'hebräisch lTetragrammaton^ auszusprechen, obwohl dies talmudisch und durch Jahrtausende alten Brauch verlöten war. Blos der hohe Priester durfte am Versöhnnngstag im heiligsten. Tempel zu Jerusalem den Gottesnamen „Schemhawap", so wie er geschrieben steht, anssprechen. Das Rabbinatskollegium zu Smyrna sah sich daher veranlaßt, Sabbatai ob dieser unerhörten, die wichtigsten religiösen Satzungen verletzenden Berfahrungsweise mit dem Banne zu telegen und als frechen Gottesleugner zu bezeichnen. Sabbatai merkte bald, daß er in Smyrna seine Rolle ansgespielt hatte, weshalb er sich nach Thessalonich verfügte, wo er einen geeigneteren Schauplatz für seine Tätigkeit finden zu können glaubte. Allein auch aus dieser Stadt wurde'er bald von den Rabbinern seines unwürdigen Treibens wegen verbannt. Er ging daher vpn hier nach Egypten und von dort nach Jerusalem. In Gaza gesellte sich zu ihm Nathan Benjamin, ein Mann, der seiner kabbalistischen Kenntnisse wegen in hohem Ansehen stand, und diesem hatte , er die Rolle des Propheten Elias, des Vorläufers des Messias zu spielen übertragen. In Jerusalem ließ Sabbatai anfangs nicht im entferntesten merken, daß er sich für den eigentlichen Messias halte, sondern widmete seine ganze Zeit ausschließlich kabbalistischen Studien, wodurch er in Palästina an Ansehen und Achtung gewann. Nachdem er bereits einige Jahre in Jerusalem gewohnt und einen Kreis von Verehrern gewonnen hatte, eröffnete er demselben, daß er der sehnsuchtsvoll erwartete Messias sei. Nathan aus Gaza gerierte sich plötzlich als Prophet und bemühte sich für Sabbatai. den er nie gesehen zu haben vorgab, Propaganda zu machen und ihn überall als den wahren von Gott gesandten Messias zu proklamieren. In eisiem für alle jüdischen Gemeinden des türkischen Reiches verfaßten Sendschreibm prophezeihte Nathan, daß Sabbatai Zebi dem Sultan die Krone vom Hauptes nehmen und sie sich' aussetzen lverde, während jener ihm wie ein Sklave, folgen .werde.' Durch diese sind ähnliche Proklamationen nnude die rohe, ungebildete, dem Aberglauben huldigende Masse für Sabbatai gewonnen. Während seines Aufenthaltes in Jerusalem reiste Sabbatai einmal nach Egypten, um in Kairo seinen'Freund und Gönner, den oielbegüterten, seiner Wohltätigkeit und Herzensgute lvegen allgemein geachteten Milnzmeister Raphael Josef Ehetebi, zu ersuchen, der armen und von irgend, einem Pascha hart bedrängten Gemeinde zu Jerusalem Hilfe zu leisten. Chelebi, ein eifriger Verehrer der Kabbala, nahm umsoweniger Anstand dem Wunsche seines Jünglings zu entsprechen, als er tatsächlich in Sabbatai den wahren Messias erblicken zu Müssen glaubte. Hier in Kairo heiratete Sabbatai im Hause seines Verehrers Chelebi ein schönes polnisches Mädchen von zweideutigem Rufe, namens Sarah, mit dem er nach Jerusalem zurückkehrte. Über die Art und Weise, wie Sabbatai zu dieser Frau gekommen ist, wurden allerlei abenteuerliche Gerüchte verbreitet, die darnach angetan waren, den angeblichen Messias zu glorifizieren. „Das Mädchen," so wird erzählt, „wirr die Tochter eines polnischen Rabbi, welches die Christen als Kind gestohlen, und in ein Kloster gegeben hatten, woraus Jemand als den Geist ihres Vaters verkleidet, sie in der Macht entführt und ans einen jüdischen Friedhof niedergesetzt hatte, mit dem Bemerken, daß sie am Morgen von denen, die einen Toten begraben werden, Kleidung erhalten und nach Amsterdam geschafft werden würde, wo ihr Bruder Samuel wohne.