Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 85 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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seien von selbst - ctum durch einen Wirlelwind dnrcheinandergerültelt — zusammengetrieben und hätten sich ganz zufällig zu einem Epos — Ldyssee genannt — zusammengefunden. Tie von den Religionsstistern und phylosophiscben Systemgründern geformten Ideale dienen dazu, erlahmende Naturen zu beleben, erschlaffenden Willen zu stählen, erlöschende Energien zu entfachen. Für jeden Tenkreifen existiert Gott so sicher wie sein eigenes Ich existiert. Cb nur diesen Gort mit Spinoza ...lens sive natura-- oder mit Moses ...UümvrUi" nennen, ob wir diesen obersten, denknotwendig geformten Einheitspunkt mit Leibniz „Movas mora-iuar oder mit Fechner „Weltseele" titulieren, einerlei, der Namen ist gleichgültig. Spencers „Unknowable", Fichtes „Ich", Schellings „Identität von Subjekt und Objekt", Hegels „Weltgeist", Schoppenhauers „Wille", Herbarts „Reale", Hartmanns „Unbewußtes", Rietzes „Wille zur Macht" mid Stein's Bezeichnung Gottes als „Weltenergie", das Alles sind nur unbeholfene stammelnde Versuche, das Unaussprechliche auf einen smnbolisehen Ausdruck zu bringen oder — in kirchlicher Fassung — das Unvorstellbare durch die Surrogate des Zeremoniells zu versinnlichen, das Unbegreifliche in die Gemütssprache des Alltags ztl übertragen. Ter pessimistische Religionstypns der Indier bat eine' historisch rückwärtsgebogene, die Lichtreligion des Parsismus eine vorwärtsgerichtete religiöse Phantasie. Tie Indier substanzialisieren oder vergöttlichen ihr Ruhebedürsnis, der Parsismus den Tatendrang der Bewegung. Tort bei den Indiern geht die Eutwicklnngslinie des Universums eontinuierlich abwärts, bei den Persern hingegen aufwärts, dort rinden wir pessimistische, hier optimistische Wertung des Weltprozesses. Was nun in der Religion Messianismus heißt, das bedeutet in der Philosophie der Eoolnuomsmus. Es ist dies die gemeinsame Deutung des Sinnes der Welt, das; das Heil des Menschengeschlechtes nicht hinter uns, sondern vor uns liegt. Beiden ist die Auffassung gemeinsam, daß das Paradies nicht verloren gegangen, sondern erst zu erringen ist. Ter Weltprozeß ist kein ewiger Abstieg, sondern umgekehrt ein gradweiser 'Ausstieg vom Unvollkommenen zum Bollkontmenen. Ter energetische Monismus versteht unter der Messiasidee die Verlegung des Jenseits vom Raum in die Zeit. Tie räumliche Jenseitigkeit heißt: Paradies, die zeitliche: Messianismus, die Prophezeihung kommender Vollkommenheit „am Ende der Tage", künftige Glückseligkeit. Das räumliche Jenseits, das Paradies, spielt im alten Testament eine vergleichsweise geringe Rolle, während das zeitliche Jenseits, der Messianismus, der Leitgedanke der Glanzepoche der antiken Literatur, des Prophetismus ist. Tie Anhänger des energetischen Monismus blicken nicht mit elegischer Geberde und brechendem Blick rückwärts in die Lüngfwergangenheit. sondern mit Augen voll fieberhafter Erwartung vorwärts in die entfernteste Zukunft ins Morgenrot ungemessener Vollkommenheiten, sie winseln nicht in greisenhafter Untätigkeit nach Nirwana, sondern sie sehnen sich nach Taten, sie sprühen und blitzen von Energie und Unternehmungslust. Tie welthistorische Aufgabe der Messiasidee besteht darin, diesen energetischen Lchkimismns der Menschheit zu erhalten, um sie vor Erschlaffung, vor der Infektion mit buddhistisch-pessimistischen Bacillen zu bewahren. Tie Messiasidee, dieser Evolutionismus im Gewände der religiösen Stimmung ist eine Mission, eine Kulturaufgabe, und sie ist der perenierende weltgeschichtliche Protest gegen das Nachtasyl seelischer Finsternis. Die Messiasidee mit ihrer nach vorwärts gerichteten Phantasie bedeutet