Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Gültigkeit beanspruchen, die wir in einem andern Zeitaller leben und völlig andere Erfahrungen angesammelt und anfgespeichort baden. Bo nützlich He m m un gsapparale zur Herstellung des Gleichgetvichtes jein mögen, so schädlich wirken sie, wenn sie einrosten, Platina anieizen Nttd ttichk mehr regulieren, sondern nur hemmen. Lolche ein gerostete Hemmnngsapparate sind es, die wir besonders im Judentum der Gegenwart, viele zu feinem Unheil sortbestehen sehen, auf deren Beseitigung gedrungen werden muß, da sie sich als zerstörend und nicht als erhaltend erweisen und jeden Fortschritt und jede Entwicklung im Judentum im Wege stehen. Besonders möchten wir in Folgenden noch ans Steins vortreffliche Ausführungen, üderschrie'ren „Energetischer Optimismus", eingehen, da in denselben seine eigene philosophische Weltanschauung, die sich mit der jüdischprophetischen berührt, klar und deutlich zum Ausdruck gelangt. Tie Spezialität der Philosophie, meint Stein ist ihre Universalität und sie stelle gleichsam den Klavieranszug des Orchester st lick s — Welt genannt - in sich dar. Für Prof. Stein ist Philosophie die vollständig vereinheitlichte Erkenntnis eines jeden Zeitalters und die .Philosophie ist keine verwirklichte Idee, sondern ein ständig anzustrebendes Ideal. Tie Philosophie der Gegenwart ist Monismus d. h. Einheit« deutung aller Weltgeschehnis. Bei Eohen nimmt dieser Monismus die Form eines platonisch - kantischen Idealismus mit einem starken Einschlag von Mosaismus an. Bei Haeckel hingegen tritt uns dieser Monismus besonders in den „Welträtlneln" in streng biologischer Forschung entgegen. Jeder von beiden sucht redlich und unverdrossen nach der Wahrheit, Eohen in der Studierstube, Haeckel im Laboratorium. Diese beiden grnndsählichen Gegenfüßler begegnen sich int Monismus. An die Stelle des mosaischen Imperativs „Ich bin Gott der Herr,.du sollst nicht andere Götter haben neben mir" sehen beide, ohne es zu wollen und zu fiihleu, das erste Gebot des Spinozismus „Ich bin die Substanz, Gott oder Natur, du sollst keine andere Substanzen haben neben mir". Prof. Stein hält den einseitigen'Idealismus Eohens ebensowenig für eine definitive Lösung, wie den sogenannten Materialismus Haeckels, er zieht zwischen beiden Extremen die Diagonale und bezeichnet seinen Standpunkt als „Energetischen Monismus". Herr Prof. Stein ergeht sich nun über den Begriff Offenbarung Gottes, unter welcher er in die Sprache des energetische!! Monismus überseht die Übertragung höchster menschlicher Gattusigserfahrungen mtb tiefster Einsichten über Gut und Böse ins Göttliche versteht. Gcht ist der ins Ideale und Unendliche hinüberprojizierte Mensch, und Religion und Philosophie sind keine entgegengesetzten, sondern parallele Wahrheiten und ■ iereit denselben dHahrheitsgestalt, das heißt die ewigen Ideen des Menschengeschlechtes m zwei verschiedenen Sprachen nur dar. Die drei monotheisstischen Religionen einigen uh in wesentliche!» Z.'rgen a:f den Eingott, sei es in strengster schroffster Fassung wie üei den Inden, sei es in rrinirarischer Alstchwächnng wie im Christentum, sei es in weitherzigster Duldsamkeit mie im Mohämmedanismns, der altes und neues Testament übe.nimmt, Propheten, Christus und die Apostel seinem Heiligtum einverleibt und den Propheten :;i; Mohammed hierzu dichtet. Der dogmatische Atheismus, welcher nicht blos die Erkennbarkeit des Welteugruudes bestreitet, sondern mit selbstgefälliger Grandezza behaipet, daß es keinen Gott gäbe, steht ans der logischen Höhe eines Homer- Interpreten der behaupten wollte die Silben, Buchstaben und Worte der Odyssee Homers