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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-04-01 · Heft 4 (1.4.1905) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 4 (1.4.1905)
Date
1905-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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60 mit dem ibeafgcftimmtcit Günter entstand tniv, drantatische Gedicht Ton Carlos, in dem btie eigne Freundschaft einen ergreifenden Wiederhall fand in dem Trenbnnde zwischen dem Marquis von Posa und dem ^önigssohn. An Körner schreibt Schiller: „Über den Bau unserer Freundschaft habe ich tausend Gedanken, Philosophie und warmes Blut sollen den Riß zu dem schönen stolzen Gebäude unserer Freundschaft formen." Mit feinem Carlos ruft er ihm zu: „Arm in Arm mit dir, ford're ich mein Jahrhundert in die -Schranken." In seinem Posa, der für den Freund den Spfertod stirbt, ist die ganze seelenbezwingende Macht der Freundschaft dargestellt. Tie todesmutige Hingabe für den Freund hat Schiller später in seiner Ballade „die Bürgschaft" gefeiert. Wenn ein unreritälisches Kunstwerk von den reinsten griechischen MoUven, die Fieoroniiche Cista, uns zwei Jünglinge zeigt, die einander umschlnngen halten und voll Liebe sich in die Angen schauen, so werden nur unwillkürlich an Ta.mon und Phintias erinnert, von deren Treue Schillers Dichtung singt. Ten reichsten Segen sollte dein reifen Dichter der Frenndschastsbnnd mit Goethe bringen. In der überragenden Persönlichkeit seines Wallensteins ist etwas von der olympierhaften Größe des Weimaranifchen Ministers, und wohl die eignen Freundschaftsempfindungen läßt er wiederklingen in den Worten der Liebe, die Max und Wallenstein wechseln. Ter Gegensatz der Weltanschauungen, der zwischen diesen beiden waltete, hatte ja Schiller und Grethe so lange getrennt. Max ist gleich Schiller Idealist, Wallensteiu wie Goethe Wirtlichkrusn.ensch. Mar fühlt sich dem Feldherrn durch reine Begeisterung für seine Herrschergröße und durch unbedingten Glauben an seine hohe und edle Natur untertan. So mag auch Schiller für die geniale Schöpferkraft seines Freundes empfunden haben. Wie eine prophetische Borwegnahme der herrlichen Totenklagc, die Goethe einst um den \\\ früh verblichene!: Gefährten anstimmen sollte, lesen sich die tiefergreifenden Worte: „Tie Blume ist hinweg ans meinem Leben. Hub kalt und farblos ieh' ich's vor mir liegen, Tenn er stand neben mir wie meine Jugend, Cr machte, mir das Wirkliche zum Traum Um die gemeine Deutlichkeit der Tinge Ten goldnen Duft der Morgenröte webend. Im Fetter seines liebenden Gefühls Erhoben'sich mir selber zum Erstaunen Des Lebens flach alltägliche Gestalten. Was ich 'mir ferner auch erstreben mag, Tas Schöne ist doch weg, das kommt nicht wieder. Tenn über alles Glück geht doch der Freund, Ter's fühlend erst erschafft, der's teilend mehrt." * * * David Friedrich Strauß sagt, daß Schillers Dichtungen die Lelenshrunnen bleilen werden, ans denen das deutsche Bolk sich wieder jung und kräftig trinken wird. Schiller ivird auch der Gegenwart und den kommenden Geschlechtern werden, was er

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