Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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73 die sich selbst Beni Israel nennen, zerfallen in zwei Gruppen, von denen die eine, die Gruppe der weißen Beni Israel, sich durch Zuzug von Vorderasien rein erhalten haben, während die Gruppe der schwarzen Beni Israel Mischehen mit eingeborenen heidnischen Frauen geschlossen und dadurch ihre ursprünglich weiße Farbe eingebüßt haben. Die weißen Beni Israel, welche mit ihren schwarzen Glaubensgenossen in Feindschaft leben, ihre Frauen nicht heiraten und ihre Nahrungsmittel nicht genießen wollen, behaupten von ihnen, daß sie überhaupt kein jüdisches Blut in ihren Adern haben, und bloß von ehemaligen Proselyten abstammen. Jedenfalls stehen die schwarzen Beni Israel geistig und gesellschaftlich unter ihren weißen Glaubensgenossen. — Nach den statistischen Angaben gibt es in Afghanistan ungefähr 40000 Juden. Obwohl sie nicht als vollgiltige Bürger betrachtet werden, genießen sie doch ziemliche Freiheit uuter dem Schutze der freundlich gesinnten Mächte. Die Juden sind in 600 Gemeinden eingeteilt, von denen die größte die von Kabul ist, die 2000 Seelen zählt. — Die Spuren einer alten jüdischen Stadt, die früher von einem der Stämme Israels bewohnt war, wurden nach einem Bericht des „Temps" in der Nähe des Moseltales bei den Ausgrabungen für die Hedschas-Eisenbahn zutage gefordert. Zu den merkwürdigsten Funden gehört ein großes Gebäude, dessen architektonische Schönheiten allgemeine Bewunderung erregten. tteferate und ./Mitteilungen. Der alte Prager Judenfriedhof, von Dr. L. Jerabek, übersetzt von A. Major und Dr. Sp. Wukadinowie, mit Beiträgen von Dr. Pollak. Kunstverlag B. Koei in Prag. (Preis 4.25 Mark > — Der alte Prager Judenfriedhof! Ein europäisches Unikum! so lautet das einmiitige Urteil auch der erfahrendsten und weitgereisten Touristen, welche auf ihren Kreuz- und Ouerzügen durch Europa inmitten des Prager Ghettos den altehrwürdigen Boden dieses Friedhofes betreten. Und wirklich — wie ein Stück Orient, wie ein Stück längstvergangener Welten wirkt dieser seltene mystische iprt inmitten des Lärmens der modernen Stadt. Es ist dies aber nicht nur ein ganz außergewöhnliches, in seiner Art eirrziges Denkmal von allgemeinem kulturellem und historischem Werte, sondern diese Stätte hat namentlich für den gebildeten Israeliten besonders großes Interesse. Wem es je vergönnt war, auf diesem altertümlichen Totenfelde namentlich im Mai zu verweilen — wenn der ganze Friedhof grünt und blüht, wenn das dichte Laub und die weißen Blüten der Flicdcrsträucher, die gleich Greisen sich neigenden und sinkenden Steine umhüllen — der wird sich eines nachhaltigen tiefen Eindruckes nicht erwehren können und Zeit seines Lebens verbleibt ihm die eigenartige Erinnerung an sein Verweilen in diesem poetischen, ergreifend stimmungsvollen Totengarten. Gott sei es geklagt, daß die „Moderne Assanation der Stadt" auch auf dieses unersetzliche teuere Denkmal ihre vernichtende Tätigkeit ausdehnte. Ein ganz ansehnliches Stück dieses uralten Begräbnisortes fiel der modernen Umgestaltungssucht zum Opfer. Dieser unersetzliche Schaden