Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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72 jeder Lösungsversuch muß scheitern: es gibt eine Antwort für den Menschen, das Bekenntnis seiner Ohnmacht. Dem verzweifelnden, hart geprüften Hiob, der sich zum Richter über Gott aufzuwerfen wagt, hält der Ewige im Wüstengewitter eine Jrage aus dem Alltagsleben entgegen, die dieser nicht zu beantworten vermag. Und damit sind auch die Welträtsel für ihn gelöst: Glaube und vertraue auf Gott. — Große Ovationen werden für den berühmten Erfinder des Kehlkopfspiegels Manuel Garcia anläßlich seines -hundertsten Geburtstages geplant. Der 100jährige Greis, welcher noch tätig ist und noch immer Gesangsunterricht erteilt, stammt von einer jüdischen Familie ab. — In Portugal will man jetzt auf einmal die Juden haben. Man erinnert sich, daß, als in diesem Jahre die Lissaboner neue Synagoge, ein vornehm schöner Bau, eingeweiht wurde, die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden, der Vertreter des Königs und Abgesandte der Geistlichkeit anwesend waren, und die Zeitugen Artikelserien über die Jeier und über die Gebräuche der „Sephardim" brachten. Diese Sympathie im Lande für die Juden soll nun nach dem Plane eines Redakteurs des „Seculo", der größten <demokratischen« Lissaboner Zeitung, dazu benutzt werden, im Landesinteresse russische Juden allmählich zum Ackerbau heranzuziehen. Der fruchtbare Boden Portugals wird nur sehr schwach bebaut, denn die heimischen Bauern sind nicht arbeitsam, und weite Strecken vortrefflichen Ackergeländes liegen brach. Den Juden sollen Parzellen unter der Bedingung zugeteilt werden, sie nicht eher zu verlassen, bis sie sie durch Bezahlung selbst erwerben können. — Heber r u ssische Proselyten berichtet das Petersburger offfzielle Organ der „Heiligen Synode". Laut diesem Be- * richte sollen in den letzten Jahren Tausende von russischen Bauern zum Judentum übergetreten sein. Sie finden sich besonders zahlreich im Gouvernement Astrachan. Sie lverfcu — wie das Blatt angibt - mit dem Christentum gleichsam ihr Russentum über Bord nnd hassen dasselbe u>it' auch den Zaren, sie fühlen sich in Rußland im „Golus" und erwarten den „Messias", der in Palästina ein großes Weltreich errichten wird. Biele warten aber nicht hierauf, sondern wandern schon jetzt aus, um sich in Kleinasien und Palästina als Ackerbauer anzusiedeln. In den jüdischen Kolonien in Palästina finden sich schon zahlreiche dieser Proselyten. — Eine Versammlung von Zionistischen Vertrauensmännern in Wilna faßte den Beschluß, in Jerusalem ein Gymnasium zu gründen. — Am 12. Januae starb in New-Port Herr Kasriel Hirsch S a r a h s o n, der Pionier der Jargon - Journalistik im Alter von 75 Jahren. 1885 begann er die Herausgabe des ersten jüdischen Tageblattes „Tageblatt", dem später ein „Abendblatt" folgte: vor einiger Zeit erwarb er „Die jüdische Welt" und „Der Amerikauer". — Über die Juden in Indien gibt das parlamentarische Blaubuch für das Jahr 1904 einige interessante Daten. Danach gab es laut der Volszählung im Jahre 1901 in Indien 18228 Juden gegen 17 194 im Jahre 1881 und 12009 im Jahre 1871. Davon lebten . 15 848 im Vizekönigreich selbst und 2380 in den Vasallenstaaten. Von 1280 Inden, die hauptsächlich in den Provinzen Bengalien, Bombay und Burma wohnen, wird angegeben, daß sie Hebräisch als ihre Muttersprache angemeldet haben. Über den Ursprung dieser Juden wird angegeben, daß ein großer Teil von ihnen bereits seit dem 15., die von Cochin sogar seit dem 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Indien wohnen. Die Juden von Kolaba in der Präsidentschaft' Bombay,